Entschließung des Europäischen Parlaments zu einer neuen Strategie für Medienkompetenz und digitales Lernen
IRIS 2026-7:1/8
Amélie Lacourt
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Die Komplexität des modernen Medienökosystems in Verbindung mit Veränderungen hinsichtlich der Art und Weise, wie Menschen online auf Informationen und Desinformationen zugreifen, diese erstellen und teilen, sowie aufgrund von KI-generierten und algorithmisch kuratierten Inhalten hat den Ausschuss für Kultur und Bildung (CULT) des Europäischen Parlaments dazu veranlasst, einen neuen Ansatz für Medienkompetenz und digitales Lernen zu erarbeiten. Diese Initiative wurde von Marcos Ros Sempere, einem spanischen Abgeordneten des Europäischen Parlaments, vorangetrieben. Nach der Vorlage des ersten Entwurfs im März 2026 verabschiedete das Parlament am 7. Juli 2026 in einer einzigen Lesung die Entschließung 2025/2181(INI) zu einer neuen Strategie für Medienkompetenz und digitales Lernen.
Die vorgeschlagene Strategie zielt darauf ab, Medienkompetenz und digitales Lernen als grundlegende Schlüsselkompetenzen als Teil einer Strategie des lebenslangen Lernens zu verankern und auf diese Weise Bürgerbeteiligung, soziale Inklusion und demokratische Resilienz zu stärken. Die Bedeutung dieser Kompetenzen wird insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage hervorgehoben. Kritisches Denken trägt nicht nur dazu bei, fundierte und eigenständige Entscheidungen in demokratischen Prozessen zu treffen, sondern stärkt auch die bürgerliche Verantwortung im Kampf gegen Desinformation, Polarisierung sowie ausländische Informationsmanipulation und Einflussnahme, insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen.
Das Parlament fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten zudem auf, die Entwicklung digitaler Empathie, verantwortungsvollen Online-Verhaltens sowie eines Verständnisses für die Auswirkungen der digitalen Umgebung auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden in Programme zur Medienkompetenz und zum digitalen Lernen aufzunehmen.
Darüber hinaus unterstreicht die Entschließung die Bedeutung der Rechenschaftspflicht von Plattformen sowie der KI-Kompetenz und fordert einen stärkeren Schutz Minderjähriger auf Video-Sharing-Plattformen, mehr Transparenz im Hinblick auf Influencer sowie eine klarere Kennzeichnung von KI-generierten (oder manipulierten) Inhalten. Insbesondere fordert das Parlament die Kommission auf, einen klaren gemeinsamen EU-Ansatz für den altersgerechten Zugang zu Online-Plattformen, insbesondere zu Social-Media-Plattformen, zu prüfen und gegebenenfalls vorzuschlagen.
Diese Maßnahmen und Kompetenzen sollen für alle Altersgruppen gefördert und ausgebaut werden. Das Parlament hebt insbesondere die Risiken hervor, die mit einer verfrühten Einführung digitaler Tools oder Technologien bei Minderjährigen verbunden sind, noch bevor grundlegende Medienkompetenzen und kritisches Denken mithilfe analoger Hilfsmittel entwickelt wurden. Ebenso sollten alle Bevölkerungsgruppen einbezogen werden, einschließlich besonders schutzbedürftiger Nutzer, die aufgrund geografischer, sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Faktoren benachteiligt sind. Ziel dieses Ansatzes ist es, allen Menschen zu ermöglichen, in vollem Umfang vom digitalen Umfeld zu profitieren, ihre kreativen Fähigkeiten zu fördern, von der Vielfalt der Informationsquellen zu profitieren und Risiken im Zusammenhang mit der Nutzung und Gestaltung von Online-Plattformen zu vermeiden. Dabei betont die Entschließung nicht nur die Bedeutung der Aufnahme von Medienkompetenz und digitalem Lernen in die Lehrpläne während des gesamten formalen Bildungsprozesses, sondern auch die Bedeutung der Ausweitung des Lernens über die formale Bildung hinaus und auf den Arbeitsplatz unter Einbeziehung von Regierungen, Bildungseinrichtungen, der Zivilgesellschaft, Medienorganisationen, Technologieplattformen und Familien.
Im Rahmen dieser Entschließung fordert das Parlament die Kommission auf, die einschlägigen Bestimmungen der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-Richtlinie) zu evaluieren und deren Durchsetzung sicherzustellen. Ferner ersucht es die Kommission, gezielte Änderungen vorzuschlagen, um den Schutz der Nutzer von Video-Sharing-Plattformen, insbesondere von Minderjährigen, zu verbessern. Darüber hinaus drängt das Parlament darauf, die Vorschriften für Medieninhalte auf Influencer und Content-Ersteller auszuweiten.
Referenzen
- European Parliament Resolution of 7 July 2026 on a new strategy for media literacy and digital learning (2025/2181(INI))
- https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/TA-10-2026-0249_EN.html#ref_1_5
- Entschließung des Europäischen Parlaments vom 7. Juli 2026 zu einer neuen Strategie für Medienkompetenz und digitales Lernen (2025/2181(INI))
- https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/TA-10-2026-0249_DE.html
Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.