Belgien

[BE] Zweite Ausgabe der CSA-Studie über die Nutzungsmuster audiovisueller Mediendienste im französischsprachigen Teil Belgiens

IRIS 2023-2:1/15

Samy Carrere

Audiovisuelle Regulierungsstelle

Der belgische Conseil supérieur de l'audiovisuel (audiovisuelle Regulierungsstelle in der Französischen Gemeinschaft Belgiens – CSA) hat am 17. November 2022 die Ergebnisse der zweiten Ausgabe seiner Studie „Médias: Attitudes et Perceptions“ (Medien: Einstellungen und Wahrnehmungen – MAP) veröffentlicht. Wie bei der ersten, 2020 (auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2019) veröffentlichten Studie soll geklärt werden, inwieweit sich die Fernsehnutzung mit der Entwicklung neuer Konsummuster für audiovisuelle Inhalte verändert. Mit der neuen, überarbeiteten Ausgabe wurden die gesammelten Daten aktualisiert und können mit den Ergebnissen der vorherigen Studie verglichen werden. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs zwischen Fernsehen und Video-on-Demand (VoD) auf dem audiovisuellen Markt zeigt die Studie eine Reihe von Trends mit Blick auf Konsummuster auf, wobei auch mit einer Reihe gängiger Annahmen aufgeräumt wird. Die vollständige Studie ist in französischer Sprache auf einer eigenen Internetseite abrufbar; die Schlussfolgerung gibt es zudem in englischer Übersetzung.

Die Verfasser der „MAP“-Studie haben großen Wert auf methodische und analytische Genauigkeit gelegt. Die Studie beruht auf einer quantitativen, auf der Grundlage eines standardisierten Fragebogens durchgeführten Erhebung, an der 2200, für die Bevölkerung ab 15 Jahren repräsentative Personen aus der Französischen Gemeinschaft Belgiens teilgenommen haben. Auf diese Weise sollen ebenso robuste Daten wie die aus der Studie von 2020 erhobenen und aussagekräftige Analysen ermöglicht werden.

Wie in der ersten Ausgabe werden anhand von drei großen Themenbereichen die sich verändernden Konsummuster mit Blick auf audiovisuelle Inhalte dargestellt.

Der erste Themenbereich behandelt die technologischen Voraussetzungen und bezieht sich damit auf die Ausstattung der Haushalte, d. h. auf die verschiedenen Geräte, mit denen die Befragten audiovisuelle Inhalte konsumieren (Fernseher, Beamer, Computer, Handy, Tablet, Spielkonsole, Virtual-Reality-Headset). Das von den meisten Haushalten genutzte Gerät ist das Mobiltelefon (94,3 % der Befragten verfügen über ein solches Gerät), unmittelbar gefolgt vom Fernseher (93,9 %). Zwischen 2019 und 2021 haben die Smartphones weiter an Bedeutung gewonnen: Tatsächlich ist der Anteil der Mobiltelefonbesitzer, die mindestens ein Smartphone besitzen, um 5,8 % gestiegen. Zwischen 2019 und 2021 festigten auch die Set-Top-Boxen mit einem Anstieg von 3 % ihre Vormachtstellung unter den an Fernsehgeräte angeschlossenen Zusatzgeräten. DVD-/Blu-ray-Player verzeichnen in diesem Segment einen deutlichen Rückgang von 8,3 % und rutschen damit hinter Spielkonsolen auf den dritten Platz. Seit der ersten Studie ist ferner die Anzahl der Haushalte mit eigenem Internetanschluss zu Hause leicht gestiegen (2,1%).

Der zweite Themenbereich widmet sich dem individuellen Konsum audiovisueller Werke. Hier werden drei Konsumarten unterschieden: Fernsehen, kostenpflichtiges VoD und kostenloses VoD. Jede Art wiederum wird in zwei Konsumtypen aufgeteilt: einmaliger Konsum, d. h. die Nutzung jeweils nur eines audiovisuellen Konsumtyps, und gleichzeitiger Konsum, d. h. die Nutzung eines audiovisuellen Konsumtyps parallel zu einer anderen Aktivität (Medien oder nicht). Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass das Fernsehen von VoD verdrängt wird, zeigt die MAP-Studie für 2021 wie auch für 2019, dass das Fernsehen insofern die beliebteste Konsumform bleibt, als es – ob in Kombination mit VoD oder nicht – 2021 von 72,2 % der Befragten genutzt wurde. Ungeachtet dieser Dominanz des Fernsehkonsums ist VoD jedoch nicht mehr aus den Sehgewohnheiten wegzudenken. 2021 konsumierten 56,8 % der Befragten VoD, teilweise in Kombination mit Fernsehen (+3,4 % im Vergleich zu 2019). Die Studie räumt ferner mit der irrigen Annahme auf, es werde mehr Fernsehen über das Internet konsumiert (z. B. über die Websites und/oder die speziellen Apps der Fernsehsender verfügbares TV). Tatsächlich spielt dieser Konsumtyp laut aktueller Studie sowohl zu Hause als auch unterwegs nur eine untergeordnete Rolle: 67,1 % der Fernsehkonsumenten sehen zu Hause nie Programme über das Internet und nur 6,1 % sehen unterwegs über das Internet fern.

Der dritte und letzte in der Studie behandelte Bereich betrifft die Komplementarität und Substituierbarkeit der verschiedenen Arten des audiovisuellen Konsums. Die Studie untersucht, ob sich die verschiedenen Konsumarten audiovisueller Inhalte gegenseitig ergänzen oder ob eher eine Abkehr von einer Art zugunsten einer anderen zu beobachten ist. Die Ergebnisse der Studie von 2022 bestätigen den bereits 2020 festgestellten allgemeinen Trend, dass sich die Konsumarten Fernsehen und VoD ergänzen. Zwar bleibt das Fernsehen der beliebteste Konsummodus, doch ist seine komplementäre Nutzung mit VoD in den Konsumpraktiken der französischsprachigen Belgier fest verankert. Laut Studien nutzen 35,2 % (2021) und 34,4 % (2019) der Befragten bevorzugt beide Konsumarten. Gleichzeitig geben 37 % (2021) der Befragten an, ausschließlich Fernsehen zu schauen, während 21,5 % nur VoD konsumieren. 2021 ist ferner ein Rückgang der Zahl der Personen zu verzeichnen, die gar keine audiovisuellen Inhalte konsumieren, also weder Fernsehen noch VoD (6,3 % der Befragten im Jahr 2021, d. h. -2,4 % im Vergleich zu 2019).

Die Studie befasst sich darüber hinaus ausführlich mit Faktoren, die sich auf die Entwicklung des Konsums und der Geräte auswirken, und benennt abschließend verschiedene für die öffentliche Debatte relevante Aspekte und Herausforderungen.

 


Referenzen

  • Conseil supérieur de l’audiovisuel de la Communauté française de Belgique Etude « Médias : Attitudes et Perceptions » (MAP), 17 novembre 2022
  • https://www.csa.be/map/
  • Audiovisuelle Regulierungsstelle in der Französischen Gemeinschaft Belgiens, Studie „Medien: Einstellungen und Wahrnehmungen“ (MAP), 17.November 2022

Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.