Niederlande
[NL] Studie zum Thema Digitalisierung und Falschmeldungen
IRIS 2018-9:1/29
Arthur Zimin
Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam
Im Juli 2018 haben die Niederländische Medienaufsichtsbehörde (CvdM) und die Niederländische Behörde für Verbraucher und Märkte (ACM) (die Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde) eine gemeinsame Studie zum Thema Digitalisierung und Fake News veröffentlicht. Beide Behörden sind zuständig für die Überwachung der Medien. Die ACM ist für den Schutz der Verbraucher und die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs zuständig. Wichtigste Aufgabe der CvdM ist der Schutz der Informationsfreiheit durch die Garantie von Meinungsvielfalt, Zugänglichkeit und Unabhängigkeit der Medien. Mit der Studie sollte auf die rasanten Veränderungen der Medienlandschaft und die Zunahme der Möglichkeiten, Falschmeldungen zu verbreiten, reagiert werden. Die beiden Behörden haben ihr Fachwissen vereint und die Ursachen für die Zunahme von Falschmeldungen in den letzten Jahren sowie die möglichen Auswirkungen untersucht.
Der Studie zufolge lässt sich eine Reihe von Risiken für die niederländische Medienlandschaft feststellen. Eines dieser Risiken ist die Tatsache, dass die traditionellen Medien immer größere Anteile ihrer Werbeeinnahmen an Online-Dienste verlieren. Wenn die Zahl der Verbraucher, die für Qualitätsnachrichten bezahlen, zurückgeht und die Finanzierung dieser Nachrichten unter Druck gerät, nimmt die Zahl der Möglichkeiten für die Verbreitung von Fake News zu. Dies kann zur Folge haben, dass die Qualität der Nachrichten zurückgeht, da traditionelle Nachrichtenanbieter stärker auf Sensationsmeldungen setzen, um die Aufmerksamkeit der Leser bzw. Zuschauer zu gewinnen. Die Studie weist auch auf die Bedeutung der Medienvielfalt hin. Da der Wettbewerb zwischen Nachrichtenanbietern eine Voraussetzung für die Vielfalt der Nachrichtenquellen ist, fördert er gleichzeitig auch die demokratische Resilienz gegenüber Fake News. Allerdings hat die Machtkonzentration auf dem Mediensektor in den letzten Jahren durch Fusionen und Aufkäufe immer mehr zugenommen. Da ein starker Wettbewerbsdruck von Seiten anderer Online-Dienste besteht, dürfte sich dieser Trend zu einer immer stärkeren Medienkonzentration auch in den nächsten Jahren fortsetzen.
Die Studie schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, wie auf diese Risiken reagiert werden kann. So sollten Nachrichtenanbieter auch in Zukunft auf Innovation und neue Geschäftsmodelle setzen, um ein hohes Niveau an Nachrichtenqualität aufrechtzuerhalten. Da Online-Plattformen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Fake News spielen, können sie ebenfalls einen großen Beitrag leisten. Sie könnten technische Maßnahmen ergreifen, um Fake News herauszufiltern und Möglichkeiten für eine einfachere Lokalisierung objektiver Informationen einführen. Trotz all dieser Anstrengungen wird man aber auch in Zukunft das Phänomen Fake News nicht vollständig aus der Öffentlichkeit verbannen können. In Zusammenarbeit mit anderen Online-Diensten wollen die ACM und die CvdM daher die Menschen stärker für dieses Problem sensibilisieren und sie über Methoden zur Feststellung von Fake News aufklären.
Alles in allem, so die Studie, sei der Einfluss von Fake News in den Niederlanden derzeit jedoch eher begrenzt. Um zu verhindern, dass Fake News auch in den Niederlanden zu einem ernstzunehmenden Problem werden, fordern die ACM und die CvdM alle Beteiligten auf, wachsam zu bleiben.
Referenzen
- Digitalisering en Nepnieuws - Een gezamenlijke verkenning van de Autoriteit Consument & Markt en het Commissariaat voor de Media
- https://www.cvdm.nl/wp-content/uploads/2018/07/Rapport-Nepnieuws-en-digitalisering-CvdM-ACM.pdf
- Gemeinsame Studie der niederländischen Medienaufsichtsbehörde und der Behörde für Verbraucher und Märkte
Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.