Belgien
[BE] Einrichtungen der Selbstregulierung für Presse und Werbung legen Tätigkeitsberichte vor
IRIS 2016-7:1/8
Eva Lievens
Universität Gent
Zwei Einrichtungen der Selbstregulierung, der flämische Presserat (Raad voor de Journalistiek) und der belgische Werberat (Jury voor Ethische Praktijken inzake reclame, JEP) haben ihre Tätigkeitsberichte für das Jahr 2015 vorgelegt.
Der flämische Presserat hat 49 Dossiers angelegt; 48 betreffen Beschwerden (ein Anstieg von 22% im Vergleich zu 2014) und ein Dossier bezieht sich auf eine Anfrage. 23 Beschwerden galten Tageszeitungen, sieben bezogen sich auf Wochenzeitungen und -zeitschriften, sieben betrafen das Fernsehen, zwei den Hörfunk; und 19 Beschwerden bezogen sich auch auf Websites. Bezüglich Websites ist der Anteil von 22% im Jahr 2014 auf 40% im Jahr 2015 gestiegen. Die Gründe für die Beschwerden waren unterschiedlich: schlecht recherchierte Berichte, Verletzung der Privatsphäre, Beleidigung, Verwendung von Informationen sozialer Medien, Jugendschutz, keine Möglichkeit der Stellungnahme, Diskriminierung und Stereotypisierung. Der Rat veröffentlichte 27 Entscheidungen, wobei in zehn Fällen eine Verletzung journalistischer ethischer Normen festgestellt wurde. Über 30% der Beschwerden wurden einvernehmlich geregelt. Im Jahr 2015 hat der Presserat auch neue Leitlinien für die Darstellung Minderjähriger in den Medien verabschiedet (siehe IRIS 2016-2/4).
Der Werberat hat 127 Verfahren eingeleitet, die sich auf 236 Beschwerden beziehen; im Vergleich zu der außergewöhnlich niedrigen Zahl von 136 Beschwerden im Jahr 2014 ein deutlicher Anstieg. In 68% der Fälle des Jahres 2015 gab es Entscheidungen, bei denen der Werberat „keine Anmerkungen“ zur beanstandeten Werbemaßnahme machte, weil diese den gesetzlichen und den Verhaltensregeln der Selbstkontrolle entsprach. In 35 Fällen entschied der Werberat, dass die Werbemaßnahme geändert bzw. beendet werden muss. In nur drei dieser Fälle hat sich der Werbetreibende nicht an die Entscheidung gehalten, worauf die Aufforderung, die Werbemaßnahme einzustellen, in den Medien öffentlich gemacht wurde.
20,5% der Fälle weisen einen Bezug zum Fernsehen auf, 27% betreffen den Hörfunk und 24% digitale Marketingmaßnahmen. 29% der Beschwerden bezogen sich auf Täuschung, 25% auf soziale Verantwortung, 4% auf Gesundheit und Sicherheit, 24% auf Anstand und Geschmack, 3% auf Rechtmäßigkeit und 15% auf sonstige Kriterien. Im Jahr 2015 hat der Werberat auch die Verfahren verbessert, die es Werbetreibenden ermöglichen, Vorabanfragen zu stellen. Im Jahr 2015 wurden 30 solcher Anfragen verzeichnet. Diese Möglichkeit soll in Zukunft stärker gefördert werden. Darüber hinaus wurden auch Schritte unternommen, um das Bewusstsein für angemessene Werbung für Alkohol zu schärfen und um die Entwicklung der Werbepraktiken in der Branche, insbesondere das sog. „native advertising“, eingehender zu prüfen. Konsultationen mit dem flämischen Presserat, dem Conseil de Déontologie Journalistique (Presserat) der französischen Gemeinschaft Belgiens und anderen Einrichtungen der Selbstverwaltung in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden haben zur Annahme und Veröffentlichung einer „Empfehlung zum Native Advertising” geführt. In dieser Empfehlung werden die wichtigsten Grundsätze der Erkennbarkeit und Transparenz des kommerziellen Charakters von Werbebotschaften dargestellt.
Referenzen
- Raad voor de Journalistiek, Jaarverslag 2015
- http://rvdj.be/sites/default/files/pdf/jaarverslag2015.pdf
- Flämischer Presserat, Jahresbericht 2015
- Jury voor Ethische Praktijken inzake reclame, Activiteitsverslag 2015
- http://www.jep.be/sites/default/files/year_report/jaarverslag_2015_nl.pdf
- Belgischer Werberat, Tätigkeitsbericht 2015
- Raad voor de Reclame, Native advertising: Aanbeveling
- http://www.jep.be/sites/default/files/inline-media/native_advertising_aanbevelingen_rvdr_nl_2016.pdf
- Werberat, Native Advertising: Empfehlung
Verknüpfte Artikel
IRIS 2016-2:1/4 [BE] Neue Leitlinie über die Darstellung Minderjähriger in den Medien
Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.