UNESCO: Teilnehmer des ersten Europäischen MIL-Forums verabschieden in Paris eine Erklärung zur Medien- und Informationskompetenz im digitalen Zeitalter

IRIS 2014-8:1/3

Anne Goubitz

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 27. und 28. Mai 2014 fand in der UNESCO-Zentrale in Paris das erste europäische Forum zu Medien- und Informationskompetenz (European Media and Information Literacy, MIL) statt, bei dem die Pariser Erklärung verabschiedet wurde. Im Rahmen der Global Alliance for Partnerships on Media and Information Literacy (GAPMIL) wurde die endgültige Fassung der Erklärung am 21. Juli 2014 angenommen. Die Pariser Erklärung ruft dazu auf, die für das digitale Umfeld des 21. Jahrhunderts notwendigen Medien-und Informationskompetenzen in den Mittelpunkt zu stellen und diese durch eine Zusammenarbeit sämtlicher Beteiligter bei allen Bürgern wirksam zu fördern.

Im Zuge technologischer Entwicklungen entstehen immer mehr (Online-) Informationen und Inhalte, die über die Medien verbreitet werden. Es gibt neue Herausforderungen, z.B. in Form einer Überflutung mit Informationen sowie ethische Fragestellungen. Die digitale Konvergenz von Medien, Informationen und Bildung verlangt nach neuen Fertigkeiten und Kompetenzen wie kritisches Denken und Kreativität sowie Nutzung von Medien und Informationen nach ethischen Grundsätzen. Die Konzentration auf reine IT-Kompetenzen und Fertigkeiten am Computer ist nicht ausreichend, da Medien- und Informationskompetenzen einerseits und technologische Kompetenzen andererseits bei der Verwendung von Medien und Informationen in unterschiedlichen Kontexten komplementär sind. Im digitalen Zeitalter müssen die Medien- und Informationskompetenzen als Teil eines größeren Kontexts betrachtet werden.

Die Pariser Erklärung enthält 10 Empfehlungen an die UNESCO, die Europäische Kommission und die  verschiedenen Interessengruppen. In der Erklärung wird erneut auf die Bedeutung der Medien- und Informationskompetenz verwiesen, die es Einzelpersonen ermöglicht, sich im digitalen Zeitalter zurechtzufinden und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Die Empfehlungen unterstreichen, wie wichtig ein breit angelegter Kontext hinsichtlich Medien- und Informationskompetenz und die Förderung der Menschenrechte, der Sicherheit bei der Verwendung von Informationen, Medien und Technologie für das öffentliche Interesse sind. In den Empfehlungen werden die Beteiligten zur Zusammenarbeit ermutigt, wenn es um politische und strategische Aspekte der Medien- und Informationskompetenz geht. Öffentlich-rechtliche Medien und Regierungen werden angehalten, ihre Anstrengungen zu verstärken und sich auf Medien- und Informationskompetenzen zu konzentrieren, wobei Menschen mit speziellen Bedürfnissen, indigene Gruppen und andere unterversorgte Gruppen besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Die politische und praktische Umsetzung dieser Empfehlungen durch die jeweiligen Stellen soll gewährleisten, dass alle Bürger im 21. Jahrhundert im Hinblick auf Medien und Information gleiche Chancen haben.


Referenzen


Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.