Frankreich

[FR] Beziehungen zwischen Produzenten und Fernsehsendern: Wird der Regelrahmen geändert?

IRIS 2013-6:1/18

Amélie Blocman

Légipresse

Die Commission de la culture, de l'éducation et de la communication (Kommission für Kultur, Erziehung und Kommunikation) des Senats hat eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, eine Bestandsaufnahme der audiovisuellen Produktion in Frankreich zu erstellen und Verbesserungen der aktuellen Bestimmungen zu entwickeln. Letztere basieren auf dem Grundsatz der Ausstrahlungsquoten und des Beitrags der Fernsehveranstalter zur Produktion, wobei die unabhängige Produktion besonders gefördert wird. Nach 27 Anhörungen und 70 Expertengesprächen legte Senator Jean-Pierre Plancade seinen Bericht vor und unterstreicht dazu: „Im Bereich der audiovisuellen Produktion muss die Industriepolitik unserer Ausnahme für die Kultur zu Hilfe kommen.“ Die ehemalige Ministerin für Kultur und Kommunikation, Catherine Tasca, nach der die derzeit geltenden Verordnungen benannt sind, die die Beziehungen zwischen den Fernsehsendern und den Produktionsgesellschaften regeln, erklärte, die Beibehaltung des status quo sei heutzutage sehr problematisch. Die „Tasca-Verordnungen“, die 2001 mit dem Ziel eingeführt worden waren, die unabhängige Produktion zu schützen und zu dynamisieren, werden im Bericht deutlich in Frage gestellt. Der Bericht beschreibt in einem ersten Teil ausführlich den gesetzlichen und regulatorischen Rahmen im historischen Kontext und im Lichte seines Einflusses auf den Sektor sowie unter Berücksichtigung der gegenwärtigen technologischen Entwicklungen.

Im zweiten Teil des Berichts schlägt die Arbeitsgruppe Reformen in drei Bereichen vor. Zum einen spricht sich die Arbeitsgruppe für eine Überprüfung des Begriffs der Unabhängigkeit der Produktion aus. Die Sender sollen wieder das Recht erhalten, Koproduktionsanteile an unabhängigen Werken zu halten, wobei dieses Recht nur für Werke gelten soll, die sie zu einem bedeutenden Teil (mehr als 30 %) finanzieren. Die Sender sollen damit zu Miteigentümern an den Rechten für Sendungen werden können, die sie koproduzieren. Des Weiteren empfehlen die Autoren des Berichts, die Quoten für die unabhängige Produktion zu senken, wobei die Meinungen über die Höhe der Quote auseinandergehen. Derzeit haben die Sender lediglich das Recht, über eine eigene Tochtergesellschaft 25 % ihrer Sendungen zu produzieren und müssen sich ansonsten an Gesellschaften für unabhängige Produktionen wenden. Für den dritten Reformbereich wird empfohlen, eine Verpflichtung zur kontinuierlichen Verwertung audiovisueller Werke einzuführen. Dies soll durch eine Lockerung im Bereich der Rechte für die Ausstrahlung über drahtlose und nicht drahtgebundene Frequenzen (Kabel, Satellit, ADSL), durch die Einführung eines in der Branche anerkannten Verhaltenskodexes sowie durch die Institutionalisierung der Rolle eines Vermittlers für die Verbreitung von Werken erreicht werden. Zudem soll eine Verpflichtung zur kontinuierlichen Nutzung audiovisueller Werke auf digitalen Trägern eingeführt werden.

Während die Empfehlungen bei den Fernsehsendern auf Zustimmung stoßen, äußern sich die Produzenten eher skeptisch. Dies zeigen die Debatten, die am 5. Juni 2013 in Paris im Rahmen der ersten Assises de l’Audiovisuel (Konferenz über den audiovisuellen Sektor) stattfanden. Die Ministerin für Kultur und Kommunikation strengte in diesem Rahmen eine breit angelegte Aktion an, die bis Ende November 2013 in Empfehlungen und eine branchenübergreifende Vereinbarung münden soll. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen den Produzenten und den Fernsehsendern zu überarbeiten, um insbesondere eine verbesserte Ausstrahlung der Werke auf allen Trägern zu erreichen.


Referenzen

  • Production audiovisuelle : pour une politique industrielle au service de l'exception culturelle - Rapport d'information de M. Jean-Pierre Plancade, fait au nom de la commission de la culture, de l'éducation et de la communication du Sénat n° 616 (2012-2013) - 30 mai 2013
  • http://www.senat.fr/notice-rapport/2012/r12-616-notice.html
  • Audiovisuelle Produktion: Für eine Industriepolitik im Dienst der Ausnahme für die Kultur - Informationsbericht von Jean-Pierre Plancade, erstellt im Namen der Kommission für Kultur, Erziehung und Kommunikation des Senats, Nr. 616 (2012-2013) - 30. Mai 2013

Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.