Zypern
[CY] Sportübertragungsrechte - Vom Monopol zur Fragmentierung
IRIS 2011-9:1/10
Christophoros Christophorou
Experte des Europarats im Bereich Medien und Wahlen
Zu Beginn der neuen Sportsaison steht die Frage der TV-Sportübertragungsrechte im Fokus der öffentlichen Diskussion. Der Wettbewerb unter den Fernsehveranstaltern und Fernsehdiensteanbietern um den Erwerb der Übertragungsrechte hat Auswirkungen auf die Preise und auf den Zugang der Öffentlichkeit. Das derzeit fragmentierte Angebot zwingt Haushalte, in verschiedene Abonnements zu investieren, um Sportveranstaltungen live verfolgen zu können.
Bis 2007 konnte der Fußballverband einem einzelnen Fernsehveranstalter die Übertragungsrechte aufgrund eines Monopols exklusiv und beinahe unbefristet zuweisen. Entscheidungen der Kommission für Wettbewerbsschutz (Επιτροπή Προστασίας Ανταγωνισμού) und des Obersten Gerichtshofs zwischen 2004 und 2007 führten dann zu einer Öffnung des Marktes.
Drei Fernsehveranstalter und drei Fernsehdiensteanbieter halten Sportübertragungsrechte für die Saison 2011-2012. Größter Mitspieler ist der Pay-TV-Kanal Lumiere TV (LTV), der die Rechte für Heimspiele von mehr als der Hälfte der zyprischen Fußball-Erstligisten, für die englischen, deutschen und spanischen Fußballmeisterschaften und für die EURO 2012 hat. LTV hat außerdem die Rechte für die Eurobasket 2011 und die NBA sowie weitere populäre Sportarten.
An zweiter Stelle folgt Cytavision, das dem großen zyprischen Telekommunikations- und Internetanbieter CYTA gehört. Bei Cytavision liegen die Rechte für die Heimspiele der fünf Fußball-Erstligisten, für den UEFA-Wettbewerb und verschiedene nationale Fußballmeisterschaften sowie für Meisterschaften im Basketball und anderen Sportarten in Zypern, Griechenland und anderen Ländern. Durch strategische Allianzen bietet Cytavision seinen Abonnenten gegen zusätzliche Gebühren auch LTV-Pakete an.
Die Fernsehdiensteanbieter Primetel und Nova Cyprus haben ebenfalls bedeutende Übertragungsrechte für Fußball und andere Sportarten.
Sportkommentatoren, Verbraucherverbände und Bürger beklagen häufig, dass diese Fragmentierung zu hohen Kosten für Haushalte führt, die einen Großteil der Sportveranstaltungen verfolgen wollen.
Die Situation war jedoch nicht immer so wie heute. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen verlor im Zusammenhang mit dem Ende des Monopols im Jahr 1992 immer mehr Rechte für ausländische und zyprische Fußballmeisterschaften und andere Sportrechte an den Pay-TV-Kanal LTV.
Für den zyprischen Fußball erhielt LTV durch Verträge mit dem zyprischen Fußballverband KOP (Κυπριακή Ομοσπονδία Ποδοσφαίρου) 1996 Aufzeichnungs- und Übertragungsrechte und 2001 die Live-Übertragungsrechte. LTV konnte einige Übertragungsminuten an frei empfangbare Fernsehsender verkaufen, denen es durch eine Klausel verboten war, beim KOP für Rechte zu bieten. Der Vertrag von 2003 räumte LTV eine privilegierte Behandlung für die nächsten fünf Jahre und die erste Präferenz bis 2011 ein.
Nach Einsprüchen des Senders ANT1 bei den Wettbewerbsbehörden und dem Obersten Gerichtshof wurden das Monopol und die Privilegien von LTV ebenso abgeschafft wie das Ausnahmerecht für den KOP, im Namen der an der Meisterschaft teilnehmenden Mannschaften zu verhandeln. Eine spezifischere Klage gegen dieses Recht beendete das Privileg des KOP (siehe Oberster Gerichtshof, Rechtssache 952/2004, ANTENNA gegen Kommission für Wettbewerbsschutz, und Rechtssache 1120/2004, CYTA gegen Kommission für Wettbewerbsschutz, Urteil vom 9. August 2007).
Weitere Entwicklungen in den Jahren 2004 bis 2007 veränderten die Landschaft erheblich: Durch die Gründung der Fernsehdiensteanbieter MiVision (später Cytavision), Primetel, NOVA und Cablenet, die auf Mehrkanalübertragung und Abonnementeinnahmen zählen konnten, erhöhte sich die Zahl der Wettbewerber.
Dies führte zu einer Öffnung des Marktes, der jedoch nach wie vor im Wesentlichen von Pay-TV- und Fernsehdiensteanbietern beherrscht wird (z. B. von Kabel-, IP- oder Satellitenfernsehanbietern, die Programme von Fernsehveranstaltern verbreiten), wobei letztere praktisch in einem rechtsfreien Raum operieren. Frei empfangbare Fernsehsender haben das Nachsehen, da die Fernsehdiensteanbieter aufgrund fehlender Regulierung unbegrenzt und aus einer privilegierten Stellung heraus konkurrieren können.
Referenzen
Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.