Albanien
[AL] Öffentliche Beratung über die Strategie für Digitalrundfunk
IRIS 2010-6:1/6
Ilda Londo
Albanisches Medieninstitut
Beim Übergang zum Digitalrundfunk in Albanien werden nach den jüngsten öffentlichen Diskussionen unter Beteiligten und Betroffenen zahlreiche Probleme erwartet.
Am 27. April 2010 führten der Këshilli Kombëtar i Radios dhe Televizionit (nationaler Hörfunk- und Fernsehrat - KKRT), die Rundfunkregulierungsbehörde und die Vertretung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Albanien gemeinsam eine Konferenz über „Digitalfernsehen: nah und fern“ durch. Diese Konferenz bildete den Schlusspunkt einer zweijährigen Aufklärungs- und Diskussionskampagne zur Strategie für den Übergang zum Digitalrundfunk. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Vertreter der Regulierungsbehörde, nationaler und lokaler Medieneinrichtungen sowie Vertreter der Zivilgesellschaft.
Einer der Hauptdiskussionspunkte während der Konferenz war die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalters bei der Digitalumschaltung und bei der Zuweisung landesweiter Frequenzen. Nach der gegenwärtigen Strategie hat Radio Televizioni Shqiptar (Hörfunk und Fernsehen Albanien - RTSH) Anrecht auf zwei von maximal acht landesweiten Frequenzen. Viele Teilnehmer kritisierten, RTSH habe nicht nachweisen können, dass die Gesellschaft in der Lage sei, zwei Multiplexe aufzubauen und zu verwalten; daher sollte einer von Ihnen Betreibern vorbehalten bleiben, die in ein solches Vorhaben investieren könnten. Solche Szenarien sind dann jedoch mit Bedenken hinsichtlich der Bereitstellung von Inhalten öffentlichen Interesses verbunden.
Ein weiterer Punkt war das Schicksal zahlreicher lokaler Hörfunk- und Fernsehsender vor dem Hintergrund der Digitalumschaltung. In der Strategie werden mehrere Optionen von Eigentum und Verwaltung von Netzbetreibern erörtert, wobei dem Eigentum von Netzen durch Konsortien bestehender Fernsehsender der Vorzug gegeben wird. Vertreter dieser Fernsehsender sagten jedoch, dies wäre schwierig umzusetzen, da hohe Investitionskosten anstünden und eine Vereinbarung unter konkurrierenden Fernsehsendern nicht zu erreichen sei. Im Ergebnis wären Informations- und Medienvielfalt in Gefahr.
Schließlich ist auch die Frage bestehender Digitalrundfunkplattformen im Land von großer Bedeutung. Terrestrischer und satellitengestützter Digitalrundfunk wurde in Albanien im Juli 2004 von der Gesellschaft Digitalb aufgenommen (siehe IRIS 2007-8: 5), später folgten die Gesellschaft Tring und Shijak TV. Wenngleich die genaue Anzahl der Abonnenten nicht bekannt ist, hatte doch bereits eine beträchtliche Zahl von Haushalten Zugang zu den von diesen Plattformen angebotenen Paketen.
Die Lizenzierung von bestehenden und neuen Gesellschaften wird ein neuer Prüfstein für die Autorität und die Fairness der Regulierungsbehörde. Das albanische Parlament verabschiedete das Gesetz über Digitalrundfunk bereits 2007 (siehe IRIS 2007-8: 5), das umgesetzt wird, sobald die Strategie von einer zu diesem Zweck eingerichteten Ad-hoc-Kommission gebilligt wurde.
Referenzen
- Strategjia
- http://www.kkrt.gov.al/images/stories/kkrt/dixhitalizimi/strategjia_e_reduktuar.pdf
- Strategie für den Übergang zum Digitalrundfunk
- Analysis of the strategy by the OSCE
- http://www.osce.org/documents/pia/2009/02/36304_en.pdf
- Analyse der Strategie durch die OSZE
Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.