Deutschland
[DE] Info-Monitor der Medienanstalten zu Informationstrends und Medienvertrauen in Deutschland
IRIS 2025-3:1/18
Christina Etteldorf
Institut für Europäisches Medienrecht
Am 6. Februar 2025 haben die deutschen Landesmedienanstalten die Ergebnisse ihres Info-Monitors 2025 veröffentlicht. Dieser untersucht, wo und wie sich die Bevölkerung in Deutschland über das aktuelle Zeitgeschehen informiert, analysiert Veränderungen im Nutzungsverhalten und untersucht das Vertrauen der Bevölkerung und die Vertrauenswürdigkeit von (bestimmten) Informationsquellen im Zusammenhang mit ihrer politischen Einstellung. Im Ergebnis zeigt die auf Befragungen in der Altersgruppe ab 14 Jahren basierende Studie, dass das Informationsverhalten in Abhängigkeit von Alter, Vertrauen in etablierte Medien, Region und politischen Präferenzen variiert.
Der Info-Monitor löst die bisherige, seit 2009 durchgeführte repräsentative Befragung der Medienanstalten, die Mediengewichtungsstudie, ab und entwickelt diese mit einer cross-medialen Erhebungsmethode weiter.
In Bezug auf das generelle Informationsverhalten kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass ein hohes Interesse an Nachrichten besteht. Mehr als 90 Prozent der (etwa 3500) Befragten gaben an, sich für aktuelle Themen zu interessieren und sich mindestens wöchentlich in Medien zu informieren. Dabei wird eine Vielzahl an Informationsquellen genutzt, wobei ein Wandel hin vor allem (auch) zu digitalen Medien zu erkennen ist. Öffentlich-rechtliche TV- und Radiosender, Suchmaschinen sowie lokale oder regionale Tageszeitungen bilden die wichtigsten Kanäle. Unter 30-Jährige informieren sich vor allem über die Tagesschau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die sozialen Medien, unter 65-Jährige vor allem über die klassischen Gattungen Fernsehen, Tageszeitungen und Radio. Außer im Falle der öffentlich-rechtlichen TV-Angebote und der Tageszeitungen überwiegt aber bei allen die „Nebenbei-Nutzung“ von Medien gegenüber der gezielten Informationsnutzung. Besonders stark ausgeprägt ist diese nicht gezielte Suche nach Informationen in sozialen Medien und dort vor allem bei jüngeren Altersgruppen. Bei älteren Altersgruppen spielen online dagegen eher digitale Dienste wie Online-Portale, News-Aggregatoren und Messenger eine Rolle bei der Informationsbeschaffung.
Am bedeutendsten für die Meinungsbildung sind laut der Befragung Wissenschaftler, gefolgt von journalistisch geleiteten Redaktionen, freien Journalisten sowie dem Familien- und Freundeskreis, während Politiker und politische Parteien mit größerem Abstand erst danach folgen. Dabei spielt aber nach den Ergebnissen der Studie auch die politische Einstellung eine Rolle: Für Personen mit einer Parteineigung zum rechten Spektrum, also der Alternative für Deutschland (AfD), sind fast alle Quellen – insbesondere journalistisch geleitete Redaktionen – deutlich weniger wichtig als für Befragte, die der Christlich Demokratischen Union (CDU), der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) oder dem Bündnis 90/Die Grüne zugeneigt sind. Etwas mehr als die Hälfte sieht ihre Informationsbedürfnisse von den etablierten Medien in ausreichendem Maße aufgegriffen. Ein Drittel erachtet dagegen die persönlich relevanten Themen als unzureichend abgebildet.
Ein Viertel der Befragten meidet manchmal bewusst Nachrichten – meist aufgrund der vielen negativen Inhalte, teilweise auch aufgrund eines Mangels an Vertrauen in die Inhalte oder die vermittelnden Medien. Das Medienvertrauen war dabei auch einer der Fokuspunkte des Info-Monitors. Den etablierten Medien wie Rundfunk und Tageszeitungen vertraut die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) und beschreibt diese als schnell, verständlich, sachlich, vertrauenswürdig und realistisch. Besonders stark ausgeprägt ist das Medienvertrauen bei den unter 30-Jährigen und bei Menschen mit hoher formaler Bildung. Etwa ein Drittel empfindet die etablierten Medien dagegen als wirtschaftlich/politisch gesteuert und ein Viertel sieht sie als skandalisierend und spaltend. Aus ihren Befragungen zur politischen Einstellung, Demokratiezufriedenheit und Bewertungen der Informationsquellen leitet die Studie dabei unterschiedliche Zusammenhänge in der Medientypologie ab: Die aus diesen und anderen Bewertungen abgeleiteten Typen bezüglich Medienvertrauen setzen sich zusammen aus Überzeugten (22 Prozent), Kritischen (45 Prozent), Skeptischen (26 Prozent) und Ablehnenden (7 Prozent). „Überzeugte“ vertrauen stark in etablierte Medien und bewerten sie fast ausschließlich positiv, „Kritische“ schätzen etablierte Medien, hinterfragen diese aber differenzierter, „Skeptische“ vertrauen weniger und greifen zunehmend auf alternative Informationsquellen zurück, und „Ablehnende“ bewerten etablierte Medien fast ausschließlich negativ und haben wenig Vertrauen. „Überzeugte“ und „Kritische“ sind auch zufriedener mit der Demokratie, während „Skeptische“ und „Ablehnende“ deutlich häufiger skeptische oder ablehnende Haltungen auch gegenüber dem politischen System vertreten.
Referenzen
Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.