Deutschland

[DE] Studie zur Akzeptanz von KI im Journalismus

IRIS 2024-5:1/22

Christina Etteldorf

Institut für Europäisches Medienrecht

Am 21. März 2024 hat die Landesanstalt für Medien NRW, eine der 14 deutschen Landesmedienregulierungsbehörden, eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zur Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus veröffentlicht. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der Rezipienten dem Einsatz von KI zur Unterstützung journalistischer Arbeit prinzipiell offen gegenübersteht. Allerdings, so die Studie in der Schlussfolgerung zu durchgeführten Experimenten weiter, bedürfe es einer transparenten Regulierung beim Zurückgreifen auf solche Instrumente auch, um Akzeptanz zu erhöhen und Vorbehalte auszuräumen. 
Mit neuen technologischen Möglichkeiten der Prozessautomatisierung und KI können sich auch Chancen für Medienanbieter ergeben, insbesondere als Unterstützung bei der Erstellung von redaktionellen Inhalten. Die Studie der Landesanstalt für Medien NRW widmet sich vor diesem Hintergrund der Frage, wie die Rezipienten dem Einsatz automatisierter Verfahren bei der Erstellung von Inhalten gegenüberstehen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um etwaige Bedenken und Vorbehalte auszuräumen. Sie basiert auf knapp 1.000 durchgeführten Interviews mit Online-Nutzern in der Altersgruppe ab 14 Jahren. Neben Erhebungen zum Mediennutzungsverhalten ging es innerhalb des Fragenkataloges vor allem um die Rezeption von Inhalten, die unter Zuhilfenahme von KI erstellt wurden, und deren Bewertung. Eine unterschiedliche Wahrnehmung zeigte sich dabei insbesondere in Bezug auf das Thema der Inhalte: Deutlich weniger vertretbar wurde der Einsatz von KI bei Nachrichten oder der Politikberichterstattung gesehen als etwa bei Themen wie Sport und Unterhaltung. Die Frage, ob KI im Journalismus helfen kann, Prozesse effizienter zu gestalten, beantworteten etwa 35% der Befragten zustimmend. Potentiale wurden dabei insbesondere bei der Verbesserung der Auffindbarkeit von Sendungen in Mediatheken, der Unterstützung von Recherchearbeit und der Individualisierung von Inhalten nach Nutzerpräferenzen gesehen. Die größte Sorge im Zusammenhang mit Prozessautomatisierung bestand bei den Befragten bezüglich eines möglichen Verlustes von Arbeitsplätzen (51%). 
Gezeigt wurden den Befragten auch ähnlich aufgemachte Videobeiträge (je zwei mit einem menschlichen Moderator und je zwei mit nur stimmlicher Begleitung eines Videos), von denen nur jeweils einer mithilfe von KI erstellt wurde. In Bezug auf qualitative Aspekte (bspw. glaubwürdig, informativ, unterhaltsam, verständlich, etc.) wurden die Beiträge kaum unterschiedlich wahrgenommen, wobei aber jedenfalls der nur stimmlich begleitete KI-Beitrag ohne menschlichen Moderator leicht besser bewertet wurde als das Pendant ohne KI. Indes konnte der jeweils KI-gestützte Beitrag in beiden Fällen nicht eindeutig von den Befragten als solcher identifiziert werden.
Auf Basis der Befragung kommt die Studie ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Akzeptanz des Einsatzes von KI dann höher ist (61%), wenn die Beiträge von „echten“ Journalisten erstellt und „echten“ Moderatoren präsentiert werden, die von KI „nur“ unterstützt werden. Komplett von KI erstellte journalistische Beiträge befürworteten dagegen deutlich weniger (35%) der Befragten. Befragt nach Möglichkeiten, diese Akzeptanz für eine KI-Unterstützung zu erhöhen, sprechen sich viele für eine große Bedeutung („sehr wichtig“) von Kennzeichnungspflichten (53%), verbindlichen Rechenschaftspflichten (42%) und einer Aufsicht über den Einsatz jedenfalls im Journalismus (40%) aus. 


Referenzen


Dieser Artikel wurde in IRIS Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle veröffentlicht.