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IRIS 2019-1:1/5

Europäische Kommission

Vorgeschlagene Übernahme von 21st Century Fox durch die Walt Disney Company unter Vorbehalt bestätigt

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Ronan Ó Fathaigh

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 6. November 2018 verkündete die Europäische Kommission ihre Zustimmung nach der EU-Fusionskontrollverordnung zur geplanten Übernahme von 21st Century Fox durch die Walt Disney Company vorbehaltlich der Erfüllung bestimmter Zusagen.

Walt Disney Company und 21st Century Fox Inc. sind beides globale Medienunternehmen mit Sitz in den USA, und beide sind vorrangig im Bereich Filmvertrieb, Lieferung/Lizenzierung audiovisueller Inhalte sowie Betrieb und Programmversorgung von Fernsehveranstaltern tätig. Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind beide Unternehmen als Anbieter von audiovisuellen Inhalten und Fernsehsendern für Rundfunkveranstalter und Vertriebsgesellschaften aktiv.

Im September 2018 wurde der Europäischen Kommission eine geplante Transaktion angezeigt, bei der die Walt Disney Corporation 21st Century Fox einschließlich der Film- und Fernsehstudios sowie des Kabel- und internationalen Fernsehgeschäfts übernehmen will. Das Rundfunknetz Fox Broadcasting und dessen Sender - Fox News Channel, Fox Business Network, FS1, FS2 und Big Ten Network - waren nicht Teil der geplanten Transaktion.

Die Kommission prüfte die Auswirkungen der geplanten Transaktion auf die Märkte, wo sich die Tätigkeiten der beiden Unternehmen überschneiden. Die erste Frage war die Auswirkung auf die Produktion und den Vertrieb von Filmen für die Kinoaufführung, den Vertrieb von Inhalten für Heimunterhaltung und die Lizenzierung von Filmen und anderen Fernsehinhalten. In diesem Zusammenhang befand die Kommission, die geplante Transaktion rufe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken hervor, da das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen weiterhin auf erheblichen Wettbewerb seitens anderer Marktteilnehmer wie Sony, Universal und Warner Bros. treffen werde.

Die zweite Frage war die Auswirkung auf das Angebot von Programmen für Fernsehveranstalter. In diesem Zusammenhang befand die Kommission, die geplante Transaktion würde den Wettbewerb zwischen zwei starken Anbietern von „Dokumentationssendern“ in mehreren EWR-Mitgliedstaaten aufheben. Dokumentationssender sind Sender, die in der Hauptsache Dokumentarfilme, Theateraufführungen und Unterhaltungssendungen zu wissenschaftlichen Themen ausstrahlen, wie zum Beispiel die National-Geographic- und die History-Sender. Um Wettbewerbsbedenken entgegenzuwirken, verpflichtete sich daher die Walt Disney Company, ihre Beteiligung an allen Dokumentationssendern, die sie im EWR kontrolliert, das heißt die Kanäle History, H2, Crime & Investigation, Blaze und Lifetime abzugeben. Diese Kanäle unterstehen gegenwärtig der Kontrolle von A+E Television Networks, einem Gemeinschaftsunternehmen von Disney und Hearst. Die Kommission war der Ansicht, die Verpflichtungszusagen beseitigen die Überschneidungen zwischen den Aktivitäten von Disney und Fox im Angebot an Dokumentationssendern für Fernsehveranstalter im EWR.

Die Kommission kam zu dem Schluss, die geplante, durch die Verpflichtungszusagen abgeänderte Transaktion rufe keine Wettbewerbsbedenken mehr hervor. Die Entscheidung steht unter dem Vorbehalt der vollständigen Umsetzung der Verpflichtungszusagen durch die Walt Disney Company.

Referenzen
Europäische Kommission, Fusionskontrolle: Kommission gibt Übernahme von Teilen von Fox durch Disney bedingt frei, IP/18/6312, 6. November 2018 DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=19330