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IRIS 2019-1:1/27

Italien

Neue Vorschriften zu Kinoverwertungsfenstern für italienische Filme

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Francesca Pellicanò

Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung (MISE)

Am 14. November 2018 kündigte der italienische Kulturminister eine Ministerialverordnung  (die Unterzeichnung zur nachfolgenden Übersendung an die zuständigen Aufsichtsgremien stand bevor) gemäß Gesetz Nr. 220/2016 (siehe IRIS 2017-1/23) an, die die erste gesetzliche Maßnahme in Italien zu Kinoverwertungsfenstern darstellt.

Bislang wurde diese Frage gemäß einer etablierten und weitestgehend akzeptierten Praxis gehandhabt, die die Verordnung nunmehr im Grunde in eine rechtliche Form bringt.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass sich die Verordnung nur auf italienische Werke erstreckt und keine ausländischen Produktionen einschließt. Für Letztere bleibt das oben genannte Gentlemen's Agreement erhalten.

Zwischen der ersten Kinoaufführung eines Films und dessen Verfügbarkeit auf einer anderen Plattform ist eine Frist von 105 Tagen einzuhalten. Die Verordnung sieht jedoch zwei wesentliche Ausnahmen zur Verkürzung dieser Frist vor.

Im ersten Fall geht es um Filme, die in weniger als 80 Kinos gelaufen sind und weniger als 50.000 Besucher in den ersten 21 Tagen hatten; in diesem Fall erlaubt die Verordnung eine Verkürzung der Frist auf 60 Tage.

Die zweite Ausnahme betrifft kurzzeitig laufende Filme (drei oder weniger Tage in Kinos, ohne Wochenende); in diesem Fall wird das Verwertungsfenster auf nur 10 Tage verkürzt.

Diese Verkürzungen sollen kleineren (italienischen) Produktionen einen schnelleren und einfacheren Vertrieb auf anderen Plattformen ermöglichen und nach Möglichkeit die Gefahr von Raubkopien verringern.

Bei Verstoß gegen diese Bestimmungen wird den Produktionen gegebenenfalls der Zugang zu Steuergutschriften oder sonstigen fiskalischen oder finanziellen Vergünstigungen für Kinoproduktionen verwehrt.

Referenzen
D.M. 531 29/11/2018 - MODIFICHE AL D.M. 14 LUGLIO 2017 recante individuazione dei casi di escluisione delle opere audiovisive dai benefici previsti dalla legge 14 novembre 2016 n.220, nonchè dei parametri e requisiti per definire la destinazione cinematografica delle opere audiovisive IT
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=19338
 
  Ministerialverordnung Nr. 531 vom 29. November 2018