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IRIS 2019-1:1/16

Frankreich

Mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen den Filmverbänden und Canal+ ist der Weg für eine neue Medienchronologie geebnet

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Amélie Blocman

Légipresse

Mehrere Monate lang gab es Verhandlungen zwischen dem führenden Akteur im Bereich der Finanzierung des französischen Films, Canal+ (160 Millionen Euro im Jahre 2017), der über exklusive Verwertungszeitfenster für die von ihm vorfinanzierten Werke verfügt, und den Berufsverbänden des französischen Kinos über die Investitionen besagten Senders. Nachdem die Gespräche vor einigen Wochen scheiterten, wurde am 6. November 2018 eine laut Kulturministerium „für die gesamte Branche sehr positive“ Einigung erzielt. Die Vereinbarung sieht u. a. vor, dass die Verpflichtungen von Canal+ gegenüber dem französischen Kino für einen Zeitraum von vier Jahren, d. h. bis zum 31. Dezember 2022, verlängert werden und dass das Vollprogrammformat des Senders mit Schwerpunkt auf Film und Sport beibehalten wird. Damit ist der Weg für die Unterzeichnung einer neuen Vereinbarung über die Medienchronologie geebnet, die den Zuschauern einen schnelleren Zugang zu Werken im Fernsehen und auf den verschiedenen Plattformen ermöglicht. „Die Vereinbarung ist eine wichtige Grundlage zur Unterstützung des Filmschaffens. Sie wird dazu beitragen, die Vitalität und Vielfalt unseres Kinos zu fördern“, erklärte Frédérique Bredin, Leiterin des Centre national de la cinématographie et de l’image animée (Nationales Filmzentrum - CNC).

Gleichzeitig haben Canal+ und der größte französische Privatfernsehsender TF1 ihren Konflikt beigelegt, im Rahmen dessen Canal+ einigen Abonnenten zu Beginn des Jahres den Zugang zu unverschlüsselten Sendern der Gruppe TF1 gesperrt hatte. Die beiden Unternehmen gaben die Unterzeichnung einer Sendevereinbarung bekannt, gemäß der u. a. die Sender TF1, TMC, TFX und LCI auf allen Kanälen des Pay-TV-Senders zur Verfügung gestellt werden. Diese Vereinbarung stärkt insofern die Partnerschaft zwischen den beiden Gruppen, als sie Abonnenten der Angebote von CANAL auf allen Bildschirmen verbesserte Dienste bietet. Parallel hierzu wurde eine neue, erweiterte Partnerschaft zwischen TF1 und dem Videoportal Dailymotion vereinbart, das wie Canal+ dem Medienkonzern Vivendi angehört. TF1, der sich die Ausstrahlung seiner Kanäle durch Dritte vergüten lassen will, hatte bereits Vereinbarungen mit den vier französischen Telekommunikationskonzernen (Bouygues Telecom, Free, Altice-SFR und Orange) getroffen. Eine Einigung mit Canal+ stand jedoch noch aus. Der Conseil Supérieur de l’Audiovisuel (Rundfunkaufsichtsbehörde - CSA) und die Regierung hatten Canal+ ermahnt, woraufhin dieser wenige Tage später die Sperre von TF1 in seinen Angeboten schrittweise aufhob und sich zu Gesprächen mit TF1 bereit erklärte.

Referenzen
Communiqué de presse du Ministère de la culture, Signature de l’accord entre les organisations du cinéma et Canal+, 8 novembre 2018 FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=19323
 
  Pressemitteilung des Kulturministeriums, Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen den Filmorganisationen und Canal+, 8. November 2018    
Communiqué de presse du Groupe Canal +, Le groupe CANAL+ annonce un nouvel accord avec le cinéma français et la signature imminente de l’accord sur la chronologie des médias, 8 novembre 2018 FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=19356
 
  Pressemitteilung der Gruppe Canal+, Die Gruppe CANAL+ gibt bekannt, dass eine neue Vereinbarung mit dem französischen Kino getroffen wurde und die Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Medienchronologie unmittelbar bevorsteht, 8. November 2018