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IRIS 2018-3:1/15

Frankreich

Extreme Spannungen zwischen TF1 und Orange

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Amélie Blocman

Légipresse

Zwischen dem privaten TV-Sender TF1 und den Diensteanbietern fliegen die Fetzen. Grund hierfür ist der Umstand, dass die Fernsehgruppe seit 2016 mit den Betreibern um eine Vergütung für ihre unverschlüsselten Sender streitet, die sie bis dahin kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Sie begründet ihre Forderungen mit dem neuen Angebot „TF1 Premium“, im Rahmen dessen ihre unverschlüsselten Sender in Kombination mit dem Replay-Dienst MYTF1 und neuen damit verbundenen Diensten (Start-over, erweitertes Catch-up etc.) bereitgestellt werden. Während im November 2017 neue Verträge mit Altice-SFR sowie im Januar 2018 mit Bouygues Telecom (Muttergesellschaft von TF1) geschlossen wurden, treten die Verhandlungen mit Canalsat (Canal Plus), Iliad (Free) und Orange auf der Stelle. Dies ging so weit, dass TF1 zum 1. Februar 2018 seinen Catch-up TV-Dienst MYTF1 für die Kunden von Orange sperrte und den besagten Betreiber aufforderte, angesichts des Umstands, dass er seinen Ausstrahlungsvertrag nicht verlängert habe, die Vermarktung der TF1-Sender einzustellen. Noch am selben Tag erhielt Orange eine Klageschrift der Fernsehgruppe TF1 mit der Aufforderung, die Ausstrahlung der TF1-Sender einzustellen, da kein neuer Vertriebsvertrag geschlossen worden sei. Da die Klage nicht im Rahmen eines Antrags auf einstweilige Verfügung (Eilverfahren) eingereicht wurde, besteht noch die Möglichkeit einer Einigung zwischen den Parteien. Bis dahin können die Fernsehzuschauer die Replays der Sender von TF1 unverschlüsselt auf MYTF1 sowie über die App MYTF1 auf Handy und Tablet abrufen. Die Sender bleiben vorerst auch für alle Fernsehzuschauer über das digitale Fernsehen erreichbar.

Zur Begründung der Klage führte der Geschäftsführer von TF1, Gilles Pélisson, andere europäische Beispiele an, bei denen die Betreiber die Fernsehgesellschaften für ihre Inhalte entlohnten (in Belgien zahlen Orange und Altice für das Signal von TF1). „Wir verlangen einige wenige Eurocents pro Abonnent. Orange hat zehn Millionen Abonnenten und ist neun Mal so groß wie TF1“, so Pélisson.

Der Conseil supérieur de l'audiovisuel (Rundfunkaufsichtsbehörde - CSA) vertritt einerseits die Haltung, keine Interventionsbefugnis im Rahmen von Handelsabkommen zwischen zwei privaten Akteuren zu haben, insbesondere, solange TF1 im kostenlosen digitalen Fernsehen zur Verfügung stehe. Andererseits äußerte er seine Besorgnis und parallel hierzu seine Bereitschaft, die Gespräche zu begleiten und zu unterstützen. Dabei wolle er den Interessen der Fernsehzuschauer und der wirtschaftlichen Situation der betroffenen Betreiber Rechnung tragen. Die Angelegenheit ist somit noch nicht beendet.

Referenzen
TF1, communiqué de presse du 1 février 2018, Fin des accords de distribution du service MYTF1 et des chaînes en clair du groupe TF1 avec Orange FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=18968
 
  TF1, Pressemitteilung vom 1. Februar 2018