OBS IRIS Merlin
english francais deutsch

IRIS 2018-2:1/27

Niederlande

Neuer YouTube-Kodex für mehr Transparenz bei der Kennzeichnung von Werbung

print add to caddie Word File PDF File

M.J.A. Hanhart

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 17. November 2017 wurde von der holländischen Medienaufsichtsbehörde (Commissariaat voor de Media) ein Kodex zur freiwilligen Selbstkontrolle für mehr Transparenz in der YouTube-Werbung angekündigt. Dieser „Soziale Kodex” wurde von einer Gruppe von YouTube-Nutzern entwickelt, die Inhalte für professionelle Online-Videos erstellen, mit Unterstützung der holländischen Medienaufsichtsbehörde. Dieser Kodex ist eine Reaktion der YouTube-Nutzer auf die Ergebnisse von Untersuchungen der holländischen Medienaufsichtsbehörde über die Häufigkeit, mit der Produkte und Marken in Videos auf YouTube erscheinen. Während der Entwicklung dieses Kodex konnten eine Reihe von Beteiligten, darunter die holländische Werbeaufsichtsbehörde (Stichting Reclame Code), Mehr-Kanal-Netzwerke (Anbieter für YouTube-Kanäle), Medienagenturen und Interessengruppen ihren Standpunkt darlegen. Der Kodex stützt sich auf eine Studie, wie Transparenz in der Werbung verbessert werden kann. Diese Studie war von der holländischen Medienaufsichtsbehörde in Auftrag gegeben worden.

In diesem Kodex haben die Entwickler von YouTube-Videos Leitlinien festgelegt, um Werbung in ihren Videos besser zu kennzeichnen. So enthält der Kodex vor allem Leitlinien für die Kennzeichnung von Videos, die von Unternehmen bezahlt werden, um für ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Marke zu werben. Bei den Leitlinien handelt es sich nicht um offizielle Vorschriften, sondern um Empfehlungen für die Entwickler von Videos, denen es darum geht, Werbung insgesamt transparenter zu machen. Diese Online-Entwickler von Videos können sich dem Sozialen Kodex: YouTube auf der Webseite desocialcode.nl anschließen, auf der die Leitlinien enthalten sind und die anderen YouTube-Nutzer gezeigt werden, die bereits den Kodex unterzeichnet haben. Voraussetzung für die Unterzeichnung des Kodex ist, dass die Entwickler von Videos (i) die Vorschriften des Kodex vom Tag der Registrierung an anwenden müssen; (ii) ankündigen, dass sie den Kodex anwenden, (iii) mit der Überwachung einverstanden sind und (iv) dass sie zu dem Kodex kontaktiert werden können. Die Website wird von einer Gruppe von Förderern und der holländischen Medienaufsichtsbehörde unterstützt.

Der Kodex will mehr Klarheit für die Entwickler von Online-Videos schaffen, aber auch für die Nutzer, für Eltern von Kindern und Jugendlichen sowie für Unternehmen, die YouTube-Nutzer und Werbeveranstalter repräsentieren. Er soll auch YouTube-Nutzern helfen, sich auf zukünftige Rechtsvorschriften einzustellen, vor allem auf EU-Ebene (siehe zum Beispiel IRIS 2017-10/7, IRIS 2017-8/7 und IRIS 2016-6/3), die eventuell die Aufsicht der holländischen Medienaufsichtsbehörde auf Online-Plattformen wie YouTube ausdehnen könnten. In dieser Hinsicht wird die holländische Medienaufsichtsbehörde die Initiatoren bei der Überwachung des Kodex unterstützen. Eine erste Bewertung des Sozialen Kodex: YouTube durch die holländische Medienaufsichtsbehörde ist für das Frühjahr 2018 geplant.

Referenzen
Social Code: Richtlijnen voor reclame in online video, 17 november 2017 NL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=18910
 
  Sozialkodex: Leitlinien für Werbung in Online-Videos, 17. November 2017      
Commissariaat voor de Media, “YouTubers ontwikkelen met hulp van Commissariaat voor de Media een code om transparanter te zijn over reclame,” 17 November 2017 NL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=18911
 
  Holländische Medienaufsichtsbehörde, “YouTubers develop a code with the help of Dutch Media Authority to be more transparent about advertising,” 17. November 2017