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IRIS 2018-2:1/16

Frankreich

Verordnung legt Modalitäten zur Unterbindung von Werbung in Kinder- und Jugendprogrammen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens fest

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Amélie Blocman

Légipresse

Mit der Verordnung vom 22. Dezember 2017 sind mehrere Änderungen im Lastenheft des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders France Télévisions verankert worden. Die erste und wichtigste Änderung betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes Nr. 2016-1771 vom 20. Dezember 2016 zur Unterbindung gewerblicher Werbung in den Kinder- und Jugendprogrammen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (siehe IRIS 2017-1/13). Seit dem 1. Januar 2018 wird, abgesehen von allgemeinen Informationen für Güter oder Dienste, die den Zwecken der Gesundheit oder der Entwicklung von Kindern dienen bzw. die im Rahmen von Kampagnen von öffentlichem Interesse ausgestrahlt werden, keine Werbung mehr in Programmen ausgestrahlt, die sich vorwiegend an Kinder unter zwölf Jahren richten. Das Verbot gilt auch 15 Minuten vor und nach Ausstrahlung einer solchen Kindersendung sowie für gewerbliche Werbung auf den Internetseiten besagter nationaler Fernsehsender, die sich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Die Verordnung findet zudem ihren Niederschlag in Artikel 27-1 des Lastenheftes, in dem festgelegt wird, dass gewerbliche Werbung in Programmen, die sich vorwiegend an Kinder unter zwölf Jahren richten und der Öffentlichkeit über audiovisuelle Mediendienste auf Abruf und öffentlich-rechtliche Online-Kommunikationsdienste von France Télévisions angeboten werden, verboten ist. Hierbei wird nicht speziell auf das Gesetz über die betreffenden Dienste verwiesen. Das Verbot zielt damit auf Werbung, die unmittelbar an die Nutzung der Programme gekoppelt ist, vor allem auf Pre-Rolls auf den digitalen Plattformen von France Télévisions (z. B. france.tv). Betroffen sind ferner speziell für Kinder unter zwölf Jahren konzipierte audiovisuelle Mediendienste auf Abruf und öffentlich-rechtliche Online-Kommunikationsdienste oder Teile davon. Hierbei handelt es sich insbesondere um die Plattformen und Anwendungen Ludo und Zouzous sowie um die speziell für Kinder unter zwölf Jahren konzipierten Teile bzw. Bereiche auf den öffentlich-rechtlichen Plattformen wie france.tv. Die Maßnahme zielt dabei auf jegliche Form von Werbung, unabhängig davon, ob es sich um Bannerwerbung oder Pre-Rolls handelt.

Auf der Grundlage der Verordnung wird ferner im Lastenheft des öffentlich-rechtlichen Senders der Umfang der von den Produzenten an France Télévisions abgetretenen Rechte auf Animationswerke geändert, womit der jüngsten Branchenvereinbarung vom 31. März 2017 Rechnung getragen werden soll. Zudem gibt es eine Präzisierung, die für alle Werke gilt: In Bezug auf den Beitragsanteil, der nicht für die Entwicklung der unabhängigen Produktion verwendet wird und mit unabhängigen Produktionsunternehmen erzielt wird, hält sich die Gesellschaft an die in den Branchenvereinbarungen festgelegten Nutzungsbedingungen.

Eine weitere mit der Verordnung greifende Änderung schließlich betrifft den Umfang der Rechte an Dokumentarfilmen und Live-Shows, womit auch in diesem Bereich die jüngsten, zwischen France Télévisions und den Produzentenvereinigungen geschlossenen Branchenvereinbarungen umgesetzt werden sollen.

Referenzen
Décret n° 2017-1746 du 22 décembre 2017 portant modification du cahier des charges de la société nationale de programme France Télévisions FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=18920
 
  Verordnung Nr. 2017-1746 vom 22. Dezember 2017 zur Änderung des Lastenhefts der nationalen Programmgesellschaft France Télévisions