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IRIS 2017-7:1/27

Norwegen

Norwegische Medienbehörde veröffentlicht Erhebung zu Fake News

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Marie Therese Lilleborge

Norwegische Medienbehörde

Im Auftrag des norwegischen Kulturministeriums führte die norwegische Medienbehörde (NMB) im März 2017 eine Erhebung zu Fake News durch, deren Ergebnisse am 3. April 2017 veröffentlicht wurden. Die Erhebung wurde von der NMB konzipiert und stützte sich auf ähnliche Studien zu Fake News, die in den Vereinigten Staaten und in Schweden durchgeführt wurden (siehe auch IRIS 2017-5/21). Eine repräsentative Gruppe von 1.000 Personen im Alter von 18 bis 80 Jahren wurde zum Teilen und Verbreiten von Fake News befragt, zur Fähigkeit, solche Meldungen zu erkennen, und dazu, wer nach ihrer Ansicht dafür verantwortlich ist, die Verbreitung zu verhindern und Medienkompetenz in der Bevölkerung zu steigern. Die Erhebung wurde von einem Meinungsforschungsinstitut im März 2017 durchgeführt und ergab, dass über die Hälfte (55%) der Befragten vermutete, wöchentlich oder öfter Nachrichten zu lesen, die sie für falsch halten. 45% gaben an, wöchentlich oder öfter Nachrichten zu lesen, die sie für vorsätzlich gefälscht halten. Fast ein Viertel (23%) der Befragten sagte, sie hätten mindestens einmal eine Nachrichtenmeldung geteilt, von der sie später festgestellt hätten, dass sie falsch war, und 15% berichteten, sie hätten mindestens einmal eine Nachrichtenmeldung geteilt, von der sie wussten oder vermuteten, dass sie falsch war.

Auf die Frage, wo sie die meisten falschen Informationen, die als Nachrichten präsentiert wurden, gelesen haben, verwies eine ziemlich große Mehrheit der Befragten auf das Internet und soziale Medien: 62% nannten Facebook, 15% Suchmaschinen, 14% YouTube, 12% alternative Nachrichtenwebsites, und 21% verwiesen auf traditionelle Medien. Daran anknüpfend ist es interessant, dass laut der Erhebung für fast 90% der Befragten traditionelle Medien wie Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen eine sehr hohe Verantwortung (68%) oder eine ziemlich hohe Verantwortung (21%) dafür tragen, die Verbreitung von Fake News zu verhindern. Die Erwartungen hinsichtlich der Verantwortung sozialer Medien fallen etwas geringer aus: Eine sehr hohe oder ziemliche hohe Verantwortung bei den sozialen Medien sehen 49% beziehungsweise 33%. Lediglich etwas mehr als ein Viertel (27%) war der Ansicht, die Bevölkerung habe eine wesentliche Verantwortung, die Verbreitung von Fake News zu verhindern. Auf die Frage, was sie unternehmen, wenn sie auf eine Nachrichtenmeldung treffen, die sie für falsch halten, erklärte etwas mehr als ein Drittel (37%) der Befragten, sie täten gar nichts. Gleichzeitig antworteten 35%, sie würden diese durch eine Websuche verifizieren, 24% benutzen dafür traditionelle Medien, 18% „Faktenprüfdienste“ (siehe IRIS 2017-3/14). 4% erklärten, sie würden sich an den Herausgeber oder Journalisten wenden, und 13% meinten, sie würden Fake News im Kommentarfeld oder in sozialen Medien ansprechen.

Um Fake News erkennen zu können und zu wissen, was mit ihnen zu tun ist, sind vielfältige Medienkompetenzen und Wissen über Quellenkritik von entscheidender Bedeutung. Die Erhebung zeigt, dass Norweger glauben, dass zunehmende Medienkompetenz und Quellenkritik vorrangig in der Verantwortung traditioneller Medien liegt (50%), dicht gefolgt von Schulen und Bildungseinrichtungen (47%) sowie staatlichen Behörden (46%). 38% erklärten, eine sehr hohe Verantwortung liege bei sozialen Medien, und 26% sehen die Verantwortung bei der Bevölkerung. Die NMB gehört zu denen, die aktiv daran arbeiten, Medienkompetenz in der norwegischen Bevölkerung zu stärken. Nachdem die NMB die Erhebung zu Fake News vorgestellt hatte, bat das Kulturministerium die NMB, die Arbeit zur Medienkompetenz dieses Jahr in den Vordergrund zu stellen. Zu den geplanten Maßnahmen gehört eine ähnliche Erhebung zu Fake News unter jungen Menschen zwischen 15 und 18 Jahren. Diese Erhebung wird vom norwegischen Zentrum für ein sicheres Internet als Teil des europäischen Programms der Fazilität „Connecting Europe“ durchgeführt und von der NMB koordiniert. Die Erkenntnisse werden der Entwicklung neuer Bildungsmaterialien für diese Altersgruppe zugrunde liegen.

Referenzen
Falske nyheter - En webundersøkelse utført av Sentio Research for Medietilsynet, 3/4/2017 NO
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=18561
 
  Norwegische Medienbehörde, Fake News, 3. April 2017