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IRIS 2017-10:1/5

Ministerkomitee

Empfehlung zu Big Data für Kultur, digitale Kompetenz und Demokratie

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Paulina Perkal

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 29. September 2017 verabschiedete das Ministerkomitee des Europarats eine Empfehlung zu Big Data für Kultur, digitale Kompetenz und Demokratie. Die Empfehlung bietet umfassende Leitlinien zum Umgang mit den Folgen der Teilhabe von Bürgern an und deren Zugang zu digitaler Kultur. In seiner Empfehlung hält das Ministerkomitee Mitgliedstaaten dazu an, die Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit Big Data im Bereich digitaler Kultur zu identifizieren; Big Data wird dabei als die wachsende technologische Fähigkeit definiert, neue und vorhersagbare Erkenntnisse aus einem großen, schnellen und vielfältigen Datenbestand zu generieren, zu verarbeiten und zu extrahieren. Die Empfehlung unterstreicht, wie wichtig es ist, kritische digitale Medien- und Informationskompetenz bei den Bürgern zu fördern. Damit soll sichergestellt werden, dass sich jeder der Verarbeitung kultureller Big Data bewusst ist und aufgrund dessen gezielt Entscheidungen in Bezug auf den algorithmischen Entscheidungsprozess treffen kann, der verwendet wird, um kulturelle Eigenheiten, Vorlieben und Verhalten zu prognostizieren.

Die Empfehlung umfasst drei Teile: eine Präambel, eine detaillierte Sammlung an Leitlinien für Staaten, wie die Standards der Digitalpolitik für alle Körperschaften, die kulturelle Big Data verarbeiten, effektiv umgesetzt werden, und schließlich ein Glossar mit einer umfangreichen Liste an Termini und Definitionen für die Empfehlung. Die Leitlinien sind weiter in drei Kategorien unterteilt: (i) Verarbeitung kultureller Big Data, (ii) kritische digitale Medien- und Informationskompetenz und (iii) Multistakeholder-Dialog und -Maßnahmen. Diese Dreiteilung ermöglicht eine bessere begriffliche Fassung unterschiedlicher Aspekte der Big-Data-Verarbeitung, unterstützt aber auch die Digitalisierung der bestehenden Kultur in Europa. Die Empfehlung unterstreicht, dass für alle Politiken zu Kultur ein Menschenrechtsansatz erforderlich ist, auch für solche, die sich mit dem digitalen Wandel befassen. Schließlich will das Dokument das Bewusstsein für die Verarbeitung kultureller und personenbezogener Big Data in allen Gesellschaftsschichten steigern.

Zunächst empfiehlt das Ministerkomitee, dass Regierungen von Mitgliedstaaten Programme für kritische digitale Medien- und Informationskompetenz unterstützen. Dadurch könnten Internetnutzer algorithmische Entscheidungsprozesse, die auf kulturelle Big Data angewendet werden, besser verstehen und steuern. Eine solche Politik würde auch die Entwicklung eines politischen Austauschs zwischen Interessenträgern zur Zukunft von Kultur fördern, wobei Big Data, kritische digitale Medien- und Informationskompetenz und Demokratie berücksichtigt werden.

Des Weiteren hält die Empfehlung Mitgliedstaaten dazu an, eine Reihe von Maßnahmen (darunter eine Überprüfung der nationalen Politik öffentlicher Kultureinrichtungen) umzusetzen und Strategien, politische Maßnahmen und Praktiken zu kulturellen Big Data zu entwickeln, insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeiten und Gefahren für kulturelle Vielfalt und den Zugang zu Kultur. Darüber hinaus sollten Mitgliedstaaten sicherstellen, dass Bewertungskriterien für Good Governance öffentlich-rechtlicher Einrichtungen auf die automatisierte Verbreitung von Nachrichten durch Medienkanäle angewandt werden, insbesondere hinsichtlich Transparenz, Offenheit, Akzeptanz und Verantwortung. Auch sollten Mitgliedstaaten digitale Initiativen im Kultursektor fördern und unterstützen, und dies in Verbindung mit Bildungsinitiativen (einschließlich Programmen für kritische digitale Medien- und Informationskompetenz), um Radikalisierung im Internet zu bekämpfen und „Fake News“ zu begegnen, da diese immer stärker datenbasiert sind.

Schließlich drängt die Empfehlung den Privatsektor, die Menschenrechte von Internetnutzern zu respektieren, insbesondere bei algorithmischen Entscheidungsprozessen betreffend kulturelle Big Data, und mit Mitgliedstaaten bei deren Überprüfung von politischen Maßnahmen und Praktiken im Zusammenhang mit der Verarbeitung kultureller Big Data zusammenzuarbeiten. Dies soll besonders in Bezug auf die Möglichkeiten und Gefahren für kulturelle Vielfalt und Zugang zu Kultur geschehen.

Referenzen
Empfehlung CM/Rec(2017)8 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten zu Big Data für Kultur, digitale Kompetenz und Demokratie, 27. September 2017