OBS IRIS Merlin
english francais deutsch

IRIS 2017-10:1/4

Ministerkomitee

Empfehlung zur Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor

print add to caddie Word File PDF File

Ronan Ó Fathaigh

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 27. September 2017 verabschiedete das Ministerkomitee des Europarats eine Empfehlung zur Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor. Die neue Empfehlung folgt der Erklärung zur Gleichstellung der Geschlechter in der europäischen audiovisuellen Industrie, die auf der Konferenz „Frauen in der heutigen europäischen Filmindustrie: Genderfragen. Was können wir verbessern?“ in Sarajevo im August 2015 verabschiedet wurde (siehe IRIS 2015-8/2).

Die Empfehlung beginnt mit dem Hinweis, dass dem audiovisuellen Sektor, zu dem Kino, Rundfunk, digitale Medien und Videospiele gehören, eine besondere Rolle beim Erreichen einer Gleichstellung der Geschlechter zukommt. Der audiovisuelle Sektor ist insbesondere gut geeignet, in der Gesellschaft vorherrschende Wahrnehmungen, Ideen, Haltungen und Verhalten zu gestalten und zu beeinflussen; audiovisuelle Inhalte können darüber hinaus strukturelle Veränderungen in Richtung Gleichstellung der Geschlechter entweder behindern oder beschleunigen. Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der Gesellschaft werden tatsächlich nicht nur in audiovisuellen Inhalten reproduziert, sondern auch im audiovisuellen Sektor insgesamt, insbesondere die Unterrepräsentation von Frauen in den unterschiedlichen Berufen und bei Entscheidungsprozessen.

In diesem Zusammenhang unterbreitete das Ministerkomitee den Regierungen der Mitgliedstaaten sechs wichtige Empfehlungen. Als Grundprinzip ihrer Tätigkeit sollten Regierungen erstens eine Politik verfolgen, um Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor und dessen institutionellen Organisationen zu fördern, wobei sie die Leitlinien aus Anhang I zur Empfehlung gebührend berücksichtigen. Zweitens sollten Regierungen europäische, nationale und regionale Filmfonds, öffentlich-rechtliche und kommerzielle Rundfunkveranstalter sowie weitere zentrale Interessenträger im audiovisuellen Sektor dazu anhalten, die Lage in Bezug auf Gleichstellung der Geschlechter zu überwachen und dabei Monitoringmethoden und Leistungsindikatoren wie in Anhang II vorgeschlagen anwenden. Drittens sollten Regierungen darüber hinaus europäische supranationale Filmfonds und audiovisuelle Fonds wie auch Rundfunkveranstalter und andere zentrale Interessenträger des audiovisuellen Sektors dazu anhalten, Fragen der Gleichstellung der Geschlechter in ihrer gesamten Politik und in allen Maßnahmen und Förderprogrammen im Bereich Training, Produktion, Vertrieb, Festivals und Initiativen zur Medienkompetenz anzusprechen.

Viertens sollten zuständige Organisationen des audiovisuellen Sektors Regulierungs- und Selbstregulierungsstrategien, Tarifvereinbarungen und Verhaltenskodizes oder andere Regelwerke zur Umsetzung unter dem Blickwinkel der Gleichstellung der Geschlechter erarbeiten oder überarbeiten. Fünftens sollten Regierungen die Empfehlung verbreiten und unter den maßgeblichen Interessenträgern und den Aktiven des audiovisuellen Sektors insbesondere das Bewusstsein für die zentrale Rolle der Gleichstellung der Geschlechter als befähigender Faktor für eine vollfunktionsfähige Demokratie und die uneingeschränkte Wahrnehmung der Menschenrechte stärken. Schließlich sollten Regierungen den Fortschritt bei der Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor überwachen und bewerten und alle fünf Jahre dem Komitee zu den ergriffenen Maßnahmen und zum Fortschritt bei der Umsetzung der Empfehlung Bericht erstatten.

Die Empfehlung beinhaltet zudem drei wichtige Anhänge, von denen der erste Leitlinien für eine verbesserte Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor und Maßnahmen zur Umsetzung enthält. Insbesondere sind Mitgliedsstaaten aufgerufen, eine Reihe von Maßnahmen, unter anderem Gesetzgebung, Verordnungen und Politik zu prüfen, Daten zur Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor auf nationaler Ebene zu erheben, zu überwachen und zu veröffentlichen, Forschung zur Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor zu stärken, die weitere Entwicklung von Medienkompetenz zu unterstützen, geschlechtsspezifische Medienkompetenz zu fördern, die Komponente Gleichstellung der Geschlechter in Programmen zur Medienkompetenz zu stärken und Prozesse der Verantwortlichkeit zu verbessern. Der zweite Anhang beinhaltet detaillierte empfohlene Monitoringmethoden und Leistungsindikatoren für die Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor einschließlich Off-Screen- und On-Screen-Leistungsindikatoren. Der dritte Anhang enthält schließlich eine hilfreiche Liste an Referenzinstrumenten, um Mitgliedstaaten bei ihrer Umsetzung von Maßnahmen für eine bessere Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor anzuleiten.

Referenzen
Empfehlung CM/Rec(2017)9 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten zur Gleichstellung der Geschlechter im audiovisuellen Sektor, 27. September 2017