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IRIS 2017-10:1/15

Frankreich

Die Tatsache, dass sich ein Werbefilm aus einem Kurzfilm inspiriert, stellt keine Rechtsverletzung dar

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Amélie Blocman

Légipresse

Der bekannte französische Regisseur Claude Lelouch und seine Gesellschaft hatten den Automobilhersteller Peugeot-Citroën sowie die Filmproduktionsgesellschaft eines für den chinesischen Markt konzipierten Werbefilms für den Citroën DS5 verklagt. Lelouch vertrat die Auffassung, die Beklagten hätten sich parasitär verhalten und unlauteren Wettbewerb betrieben, indem sie typische Merkmale aus einem seiner Kurzfilme übernommen und dies zudem kundgetan hätten, indem sie im Internet das Making-off des strittigen Werbefilms verbreitet hätten. Der betreffende 1976 gedrehte Kurzfilm mit dem Titel „C’était un rendez-vous“ (Es war ein Rendez-vous) zeigt, wie ein Mann im Auto in schnellem Tempo durch Paris fährt und am Ende der Fahrt auf den Treppenstufen vor dem Sacré Cœur eine Frau trifft. Auch der Werbefilm zeigt einen eleganten Mann, der am Steuer seines Fahrzeugs durch Paris fährt und auf dem Montmartre eine junge Frau trifft. Die Verteidiger wiesen die Vorwürfe zurück und führten an, die Kläger könnten weder den Bekanntheitsgrad des betreffenden Kurzfilms noch die tatsächlichen Kosten für die Herstellung und die Promotion des Films nachweisen, wohingegen die beklagte Gesellschaft einen erheblichen finanziellen Aufwand für ihren Werbefilm betrieben habe. Die beklagte Gesellschaft erklärte ferner, die gemeinsamen Elemente beider Filme (Titel und Thema) seien frei verwendbar und die Filme unterschieden sich deutlich voneinander. Der Vorwurf, die Gesellschaft habe sich ausschließlich vom Kurzfilm von Claude Lelouch inspirieren lassen, sei nicht haltbar.

Das Handelsgericht hatte die Klage abgewiesen, woraufhin die Kläger in Berufung gingen. In seinem Urteil vom 12. September 2017 verweist das Berufungsgericht auf den Grundsatz, laut dem ein Fehlverhalten als unlauterer Wettbewerb geahndet werde, bei dem etwa die Gefahr der Irreführung der Kundschaft hinsichtlich des Ursprungs eines Produktes bestehe, bzw. als parasitäres Verhalten, wenn sich jemand im Kielwasser eines anderen bewege, um ohne Gegenleistung von der Arbeit, den Investitionen und dem Know-how des anderen zu profitieren. Im vorliegenden Fall enthalte das im Internet ausgestrahlte „Bonusmaterial“ des Werbefilms zwar ein Interview mit der Präsidentin der Produktionsgesellschaft des Werbefilms, in dem diese erkläre, man habe das bekannte Drehbuch des Kurzfilms von Claude Lelouch „C’était un rendez-vous“, das auf dem Montmartre ende, als Grundlage genommen, doch gebe es, so das Gericht, zwischen den beiden Filmen zahlreiche Unterschiede, beispielsweise die Filmstruktur, die Filmmusik oder die Tatsache, dass der Kurzfilm im Gegensatz zum Werbefilm, der eine ganze Abfolge geschnittener Filmsequenzen enthalte, aus nur einer einzigen Filmsequenz bestehe. Zudem stehe im Werbefilm das Fahrzeug thematisch im Vordergrund, im Kurzfilm sehe man das Auto erstmalig erst in der Schlussszene. Auch die Hauptpersonen des Werbefilms würden mehrfach gezeigt, während der Fahrer und die junge Frau im Kurzfilm nur in der Schlussszene auftauchten. Und schließlich seien die Investitionskosten für den Kurzfilm sehr bescheiden gewesen, wie der Regisseur selbst eingeräumt habe. Die Bekanntheit des Kurzfilms, die sich deutlich vom Bekanntheitsgrad des Regisseurs unterscheide, sei, anders als von Lelouch vorgebracht, lediglich relativ und erreiche auch nicht die breite Öffentlichkeit.

Das Berufungsgericht befand ferner, das erstinstanzliche Gericht habe richtigerweise festgestellt, die Tatsache, dass sich der Werbefilm vom Kurzfilm habe inspirieren lassen, stelle keine Rechtsverletzung dar. Die Inspiration beschränke sich im vorliegenden Fall auf eine Thematik bzw. auf eine Idee, die frei verwendbar seien - in diesem Fall ein Mann, der in schneller Fahrt in einem luxuriösen Fahrzeug durch Paris zu einem Treffen mit einer jungen Frau nach Montmartre fährt, sowie die Übernahme des Wortes „Rendez-vous“ im Titel, zwei Elemente, auf welche die Kläger keinen Monpolanspruch hätten, zumal sich die beiden Filme ansonsten erheblich voneinander unterschieden. Angesichts dieser Unterschiede könne die Gefahr der Irreführung des betroffenen Publikums, in erster Linie die chinesische Kundschaft, an die sich der Film richte, nicht belegt werden. Den Beklagten könne somit kein unlauterer Wettbewerb bzw. kein parasitäres Verhalten nachgewiesen werden, das erstinstanzliche Urteil sei folglich zu bestätigen, so die Entscheidung der Berufungsinstanz.

Referenzen
Cour d’appel de Paris (pôle 5, ch. 1), 12 septembre 2017, C. Lelouch et Les films 13 c/ SAS Le rendez-vous à Paris
  Berufungsgericht von Paris (Abteilung 5, Kammer 1), 12. September 2017, C. Lelouch und Les films 13 gegen SAS Le rendez-vous à Paris