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IRIS 2015-1:1/5

Europäische Kommission

Fortschrittsbericht über die Digitalisierung des Filmerbes

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Svetlana Yakovleva

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 7. Oktober 2014 hat die Europäische Kommission ihren Bericht mit dem Titel „Filmerbe in der EU“ veröffentlicht. Dies ist der vierte Fortschrittsbericht über die Umsetzung der Empfehlung des Europäischen Parlaments und Rates zum Filmerbe von 2005 (siehe IRIS 2005-6/9 und IRIS 2006-1/4). Der erste Bericht zu dem Thema erschien im August 2008, der zweite im Juli 2010 (siehe IRIS 2010-9/4) und der dritte im Dezember 2012 (siehe IRIS 2013-2/6).

Der Bericht stützt sich auf die Antworten der Mitgliedstaaten auf einen Fragebogen der Kommission vom September 2013. Er gibt einen Überblick über die Fortschritte der Mitgliedstaaten im Zeitraum 2012 bis 2013 bei der Umsetzung der Empfehlung und über die wichtigsten Änderungen und Risiken, die die Mitgliedstaaten auf dem Weg zur Digitalisierung des Filmerbes vorgefunden haben.

Die Feststellungen der Kommission entsprechen weitgehend denen des vorhergehenden Berichts. Dies spricht für die Gesamteinschätzung der Kommission, dass es im Berichtszeitraum keine großen Fortschritte gab. Ähnlich dem Bericht 2012 steht noch immer zu befürchten, dass das europäische digitale Filmerbe „verloren zu gehen droht“ und die Chancen der digitalen Revolution „weitgehend vertan werden“. Seltene Beispiele für das Gegenteil sind die mit EU-Strukturfonds, über EFG1914 oder über eine nationale Politik zur Digitalisierung des Filmerbes wie das niederländische „Images of the Future" oder das britische „Film forever“, geförderten Projekte.

Die Kommission räumte ein, dass die größten Hürden nach wie vor bestünden. Selbst für Bildungszwecke seien bei der Digitalisierung europäischer Filmsammlungen und der Bereitstellung eines Online-Zugangs zu digitalisierten Sammlungen kaum Fortschritte zu verzeichnen. Während des Referenzzeitraums sei der Rechtsrahmen, innerhalb dessen die Einrichtungen zum Erhalt und Schutz des Filmerbes arbeiten, nicht geändert worden. Die Klärung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten an audiovisuellem Material bleibe komplex und teuer. In dieser Hinsicht sei die Veröffentlichung von „Licenses for Europe“ (Dialog mit Interessenvertretern über Urheberrecht und digitale Inhalte unter der Leitung der Europäischen Kommission) mit der „Erklärung des Prinzips und Verfahrens für die Erleichterung der Digitalisierung von Filmerbe-Werken", ihres Zugangs und des wachsenden Interesses europäischer Bürger an diesem Thema ein wichtiger Schritt nach vorn. Seine Wirksamkeit müsse jedoch „mit der Zeit ermittelt werden“.

Im Vergleich zu den Ergebnissen des vorhergehenden Berichts, sind das Budget und der Personaleinsatz gleich geblieben oder haben sich sogar verringert. Die Ressourcen für das Filmerbe stellen nach wie vor nur einen sehr kleinen Teil der Ressourcen dar, die für die Finanzierung neuer Filmproduktionen von allen Mitgliedstaaten bereitgestellt werden. Neue Nutzungsmöglichkeiten für Filme des Kulturerbes, wie langfristige Einnahmen oder Mash-ups aus dem Filmerbe, bleiben weitgehend ungenutzt. Obwohl Filmerbe-Material in mehreren Ländern online für Mashups zur Verfügung gestellt wird, ist das für Mash-ups verfügbare Material online noch immer sehr beschränkt.

Positiver ist die von der Kommission verzeichnete Zunahme der Filmdatenbanken, die online zugänglich und durchsuchbar sind oder die Möglichkeit bieten, die Werke zu streamen. Die Einrichtungen zum Erhalt und Schutz des Filmerbes sind sich verstärkt der Notwendigkeit von Systemen zur langfristigen digitalen Konservierung bewusst geworden, die sowohl analogen als auch digitalen Sammlungen gerecht werden. Den Einrichtungen mangelt es jedoch an den notwendigen finanziellen Grundlagen und der speziellen professionellen Ausbildung in digitalen und analogen Kompetenzen. Die Kommission stellte auch einen gewissen Fortschritt im Bereich der Bildung fest, d. h. eine Steigerung der Aktivitäten im Bereich der Filmkompetenz und die Entwicklung einer Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen zum Erhalt und Schutz des Filmerbes und den Universitäten. Hürden, die sich aus den Verfahren zur Rechteklärung ergeben, verhindern noch immer massiv die Verfügbarkeit von Online-Material für die Filmkompetenz.

Insgesamt gibt die Kommission den Mitgliedstaaten im gesamten Bericht keine klaren Empfehlungen und beschränkt sich auf vereinzelte Ratschläge für weitere wünschenswerte Aktionen. Diese Ratschläge sind eine Ermutigung, gute Praktiken auszuweiten, wie zum Beispiel die Online-Zugänglichkeit und Recherche von Filmdatenbanken oder die Erweiterung der Archivpolitik um die digitale Konservierung. Empfehlungen bereits bestehende Möglichkeiten wie die Wiederverwendung von Katalogquellen für Neuschöpfungen weiter zu entwickeln und neue Strukturen, wie die Vereinfachung der Nutzung von Filmen zu Bildungszwecken unter dem Aspekt der Rechteklärung zu schaffen, sowie die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Interessengruppen, wie den Einrichtungen zum Erhalt und Schutz des Filmerbes und den Direktoren der europäischen Filmförderungen weiter zu pflegen.

Die Kommission wird die Anwendung der Empfehlung weiterhin überwachen. Die Mitgliedstaaten sind dazu aufgerufen, ihren fünften Umsetzungsbericht bis November 2015 vorzulegen. Dieser enthält die Antworten auf den Fragebogen der Kommission, der bis Mitte 2015 ausgegeben wird.

Referenzen
European Commission, Report on the Implementation of the European Parliament and Council Recommendation on Film Heritage 2012-2013, Working document, 1 October 2014 EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=17324
 
  Europäische Kommission, Bericht über die Umsetzung der Empfehlung des Europäischen Parlaments und Rates zum Filmerbe 2012-2013, Arbeitsdokument, 1. Oktober 2014