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IRIS 2014-9:1/14

Deutschland

BVerwG verneint Werbeverstoß beim „Hasseröder Männercamp“

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Peter Matzneller

Institut für Europäisches Medienrecht (EMR), Saarbrücken/Brüssel

Mit noch nicht veröffentlichtem Urteil vom 23. Juli 2014 (Aktenzeichen: 6 C 31.13) hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) entschieden, dass die Darstellung einer Biermarke vor und nach der Liveübertragung eines Fußballspiels im Fernsehprogramm von SAT.1 keine unzulässige Produktplatzierung im Sinne von § 7 Absatz 7 Nr. 3 des Rundfunkstaatsvertrags (RStV) darstellt.

Der Fernsehsender SAT.1 hatte in einer entsprechend als Produktplatzierung gekennzeichneten Übertragung innerhalb der Ausstrahlung eines Fußballspiels zweimal zum sogenannten „Hasseröder Männercamp“ geschaltet. Dabei war in Gesprächen zwischen dem Moderator und einem Experten die Biermarke „Hasseröder“ wiederholt erwähnt worden. Zudem war das Logo der Biermarke mehrfach im Studio, auf Bierflaschen und weiteren Gegenständen zu sehen gewesen.

Das erstinstanzliche Verwaltungsgericht Neustadt hatte auf eine zulässige Form der Produktplatzierung entschieden (Urteil vom 31. Oktober 2012, Aktenzeichen: 5 K 1128/11.NW). Dieses Urteil wurde jedoch vom Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz korrigiert (Urteil vom 22. August 2013, Aktenzeichen: 2 A 10002/13.OVG, siehe IRIS 2013-10/14).

Im Gegensatz dazu stellt das BVerwG nun fest, dass die Herausstellung eines Produkts nicht deshalb bereits zu stark sei, weil sich der damit verfolgte Werbezweck als solcher erkennbar im Sendungsgeschehen abbilde. Zu stark sei die Herausstellung erst dann, wenn der redaktionelle Teil einer Sendung gegenüber dem Werbezweck in den Hintergrund rücke.

Im vorliegenden Fall, so das BVerwG, sei in den Interviews mit dem Fußballexperten im „Hasseröder Männer-Camp“ überwiegend das übertragene Fußballspiel diskutiert worden. Die Brauerei sei im Rahmen der Kameraführung nicht künstlich in den Vordergrund gerückt worden und habe die Interviews nicht überlagert. Ein Abstellen auf vermeintliche Qualitäten des dargestellten Produkts habe nicht stattgefunden.

Das BVerwG betont außerdem, dass zu berücksichtigen sei, dass Zuschauer im Rahmen von Fußballsendungen ohnehin mit einer Vielzahl werblich motivierter Darstellungen konfrontiert seien, weshalb ein weiter gefasster Maßstab als in anderen Sendungsformaten angebracht sei.

Aus diesen Gründen seien die Live-Schaltungen in das „Hasseröder Männer-Camp“ rundfunkrechtlich nicht zu beanstanden.

Referenzen
Urteil des BVerwG vom 23. Juli 2014 (Aktenzeichen: 6 C 31.13) DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=17225