OBS IRIS Merlin
english francais deutsch

IRIS 2013-5:1/30

Vereinigtes Königreich

Medienkonvergenz und Objektivität des Rundfunks

print add to caddie Word File PDF File

Oliver O’Callaghan

The Centre for Law Justice and Journalism, City University, London

Der Ausschuss für Kommunikation des House of Lords (Oberhaus des britischen Parlaments) hat am 19. März 2013 seinen Bericht über Medienkonvergenz veröffentlicht. Im Mittelpunkt des Berichts stand die wachsende Konvergenz verschiedener Medien einschließlich Fernsehen und Rundfunk, und der traditionellen Printmedien, welche sich größtenteils auf technologische Fortschritte, insbesondere das Internet, zurückführen lässt. Der Bericht hob die Tatsache hervor, dass die Grenzen, die diese Bereiche zuvor charakterisiert hatten, zum Teil immer unschärfer werden. Zeitungen stellen Videoinhalte zur Verfügung, Rundfunkveranstalter verfassen Texte: Das Internet wird genutzt, um in den traditionellen Geltungsbereich des jeweils anderen einzudringen. Der Ausschuss wies darauf hin, dass diese Entwicklung eine Vielzahl neuer Herausforderungen und Chancen für Autoren, Publikum und Regulierungsbehörden mit sich bringt.

In seinem Bericht streift der Ausschuss eine Reihe unterschiedlicher Themen und spricht einige wichtige Empfehlungen aus. Am bemerkenswertesten allerdings ist vielleicht die Feststellung, dass es in der Zukunft erforderlich sein könnte, die Verpflichtung zu Objektivität, die derzeit allen Nachrichtensendern im Vereinigten Königreich obliegt, zu überdenken oder davon Abstand zu nehmen. Seit Erfassung des Rundfunks in der Rechtsprechung besteht die Verpflichtung, Nachrichteninhalte unvoreingenommen und genau zu übermitteln. Dies ist gegenwärtig sowohl im Ofcom-Rundfunkkodex (Office of Communications - britische Kommunikationsregulierungsbehörde) als auch separat für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der BBC-Charta und der diesbezüglichen Vereinbarung verankert. Diese Anforderung steht in klarem Widerspruch zu der für die Printmedien geltenden Bestimmung, denen es gestattet ist und von denen im Grunde erwartet wird, politische Inhalte und Themen von öffentlichem Interesse mit einem kritischen, parteilichen und provokanten Ansatz zu beleuchten.

In der Vergangenheit und zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen den Verbrauchern aus der Mischung dieser unterschiedlichen Ansätze Nachrichtenquellen zur Verfügung, die aus abweichenden Meinungen resultieren. Der Ausschuss wies zudem mit Nachdruck darauf hin, dass die Mediennutzer den Unterschied zwischen Objektivität und Parteilichkeit hinsichtlich der Standards für die Erstellung von Inhalten nach wie vor relativ leicht erkennen können. Dennoch kann es in Zukunft vorkommen, dass die aus der Medienkonvergenz resultierende Verwischung der Grenzen zwischen Nachrichtenquellen eventuell die Herangehensweise der Nachrichtennutzer an Informationsquellen ändern wird. Unter diesem Gesichtspunkt kann eine Änderung des Objektivitätsanspruchs für nicht öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter angebracht sein. Diesbezüglich wird in Absatz 114 des Berichts Folgendes ausgeführt:

„Was Objektivität betrifft, sollten Nachrichtensendungen und aktuelle Berichte von nicht öffentlich-rechtlichen Sendern in Zukunft in der gleichen Weise behandelt werden wie Nachrichten und aktuelle Ereignisse, über die nicht im Rundfunk berichtet wird.“

Im Folgenden wird im Bericht die Möglichkeit einer Alternativlösung für eine freiwillige Einhaltung des Rundfunkkodexes vorgeschlagen. Diese Änderung wäre nicht unumstritten und hätte weitreichende Auswirkungen auf die Rolle und die Pflichten des kommerziellen Rundfunks im Vereinigten Königreich.

Referenzen
House of Lords Communications Committee Report on Media Convergence EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=16420
 
  Ausschuss für Kommunikation des House of Lords, Bericht über Medienkonvergenz