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IRIS 2012-9:1/9

Europäische Kommission

Bericht über die Förderung europäischer Werke und unabhängiger Produktionen

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Catherine Jasserand

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 24. September 2012 hat die Europäische Kommission ihren ersten Bericht über die Anwendung der Artikel 13, 16 und 17 der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-Richtlinie) vorgelegt. Gemäß Artikel 13 sind die audiovisuellen Mediendienste auf Abruf gehalten, die Produktion europäischer Werke und den Zugang hierzu zu fördern. In den Artikeln 16 und 17 ist vorgesehen, dass die europäischen Fernsehdienste europäische Werke und unabhängige Produktionen fördern. Der Berichtszeitraum erfasst die Jahre 2009 und 2010.

Die Auswertung der Anwendung von Artikel 13 beruht auf einer unabhängigen Studie sowie auf Daten, die von den Mitgliedstaaten bei der Europäischen Kommission eingereicht wurden. Der Entwicklungsstand des Marktes der Abrufdienste in Europa war im Berichtszeitraum sehr uneinheitlich. Der Studie zufolge wurde die Zahl der Abrufdienste im Jahr 2009 auf 435 geschätzt; mehr als ein Viertel davon waren Mediatheken. Die eingereichten Daten der Mitgliedstaaten lassen große Diskrepanzen mit Blick auf die Marktentwicklung erkennen. Einige Mitgliedstaaten haben keine Abrufdienste, wohingegen andere über eine große Anzahl an Abrufdiensten verfügen. Mit Blick auf die Förderung europäischer Werke weisen 14 nationale Berichte einen hohen Anteil europäischer Werke in Katalogen aus (zwischen 36,4 % in Portugal und 100 % in Österreich). Fünf Mitgliedstaaten berichten über finanzielle Beiträge zu europäischen Produktionen; in sechs nationalen Berichten wird die Verwendung von Förder-Instrumentarien erwähnt.

Bezüglich der Anwendung der Artikel 16 und 17 spricht sich die Europäische Kommission mit Blick auf eine bessere Berücksichtigung der Kanäle mit sehr geringem Publikumsanteil für eine Änderung der Methodik aus. Die Kommission stellt fest, dass immer mehr Länder Berichte einreichen und statistische Daten bereitstellen. Beim Sendezeitanteil europäischer Werke in der EU ist seit 2007 ein Anstieg zu verzeichnen. 2009 betrug er 63,8 %, 2010 lag er bei 64,3 %. Drei Mitgliedstaaten haben den geforderten Anteil europäischer Werke hingegen nicht erreicht. Der Anteil unabhängiger Produktionen ging laut Europäischer Kommission im Berichtszeitraum leicht zurück (auf 33,8 % im Jahr 2010 gegenüber 35,3 % im Jahr 2007). Allerdings erreichten alle Mitgliedstaaten den in Artikel 17 der Richtlinie geforderten Anteil von 10 % unabhängiger Werke. Auch bei den neueren europäischen Werken unabhängiger Produzenten weist der EU-Durchschnitt einen Abwärtstrend auf (61,8 % im Jahr 2010 im Vergleich zu 63,0 % im Jahr 2007).

In ihrer Schlussfolgerung erklärt die Europäische Kommission, die von den Abrufdiensteanbietern bereitgestellten Daten seien nicht ausreichend und würden von den nationalen Behörden auch nicht systematisch überprüft. Die Europäische Kommission spricht sich daher für eine wirksame Kontrolle auf nationaler Ebene aus. Sie will zudem Gespräche mit den Mitgliedstaaten über geeignete Wege zur Anwendung von Artikel 13 aufnehmen. In Bezug auf die Anwendung von Artikel 16 stellt die Europäische Kommission eine Verbesserung fest, ungeachtet der Tatsache, dass es sich bei der Mehrheit der ausgestrahlten europäischen Werke um Werke aus dem jeweiligen nationalen Markt handelt. Die Anforderungen aus Artikel 17 werden laut EU-Kommission gut erfüllt. Dennoch ruft die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten auf, die Bemühungen fortzusetzen und den Sektor der unabhängigen Produktion weiter zu fördern.

Referenzen
Erster Bericht über die Anwendung der Artikel 13, 16 und 17 der Richtlinie 2010/13/EU für den Zeitraum 2009–2010 Förderung europäischer Werke in nach Sendeplan und auf Abruf in der EU bereitgestellten audiovisuellen Mediendiensten /* COM/2012/0522 final */ 24. September 2012 DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=16127
 
Independent study on the transposition of Articles 13, 16 and 17 of the Audiovisual Media Services Directive, 13 December 2011 EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=16108
 
  Unabhängige Studie zur Umsetzung der Artikel 13, 16 und 17 der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste, 13. Dezember 2011