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IRIS 2012-8:1/4

Parlamentarische Versammlung

Wahrung des audiovisuellen Kulturerbes

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Tarlach McGonagle

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 25. Mai 2012 hat die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) die Empfehlung 2001 (2012) „Schutz des und Zugang zum audiovisuellen Kulturerbe“ verabschiedet.

Die Empfehlung wird durch eine Reihe von Anmerkungen zum Kontext eingeleitet, etwa dass die Medien die kulturelle Bildung fördern; dass die audiovisuellen Medien eine wichtige Grundlage für „gemeinsame kulturelle Erfahrungen“ bieten; dass digitale Medien neue Möglichkeiten für die Aufnahme von und den Zugriff auf audiovisuelle Materialien schaffen, und dass urheberrechtliche Fragen den Online-Vertrieb von audiovisuellem Material maßgeblich bestimmen.

Anschließend begrüßt die Empfehlung Initiativen wie das Projekt „European Film Gateway“ der Europäischen Kommission, über das Filme, Bilder und Texte aus ausgewählten Sammlungen aus 16 Filmarchiven in ganz Europa über ein einziges Portal zugänglich sind (http://www.europeanfilmgateway.eu/) und das Europeana-Projekt, das den Zugang zu Millionen von Büchern, Gemälden, Filmen, Museumsobjekten und Archivbeständen, die europaweit digitalisiert wurden, über ein einziges Portal eröffnet (http://www.europeana.eu/portal/). Sie „erkennt die Notwendigkeit des Aufbaus von Netzwerken öffentlicher und privater Institutionen, die im Bereich des audiovisuellen Erbes in Europa tätig sind“. Die Empfehlung hebt kommerzielle Projekte wie das Google Book-Bibliotheksprojekt hervor, betont jedoch, dass die Sicherung der Vielfalt des audiovisuellen Erbes ebenfalls staatliche Unterstützung erfordere, insbesondere in Fällen, in denen das audiovisuelle Material keine ausreichend große und wirtschaftlich einflussreiche Gruppe von Zuschauern anspricht. In diesem Sinne würdigt sie existierende (genannte) Beispiele öffentlicher audiovisueller Archive, Bibliotheken und Museen auf nationaler Ebene und fordert dazu auf, diesen Beispielen anderswo zu folgen.

Die Empfehlung legt besondere Schwerpunkte auf die mögliche Rolle öffentlicher Bibliotheken und öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter bei Schutz und Zugang zu audiovisuellem Kulturerbe. Audiovisuelle Bibliotheken (mit physischer und/oder Online-Präsenz) sollten daher entwickelt und erweitert werden. Audiovisuelles Material und im Besitz öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter und Produktionsfirmen befindliche Archive mit audiovisuellem Erbe sollten erhalten und der Öffentlichkeit urheberrechtskonform zugänglich gemacht werden.

Die Empfehlung unterstreicht die zentrale Bedeutung des Europäischen Übereinkommens zum Schutz des audiovisuellen Erbes und des dazugehörigen Protokolls. Als wichtigsten Vorschlag bringt die Empfehlung ein neues, zweites Zusatzprotokoll zum Übereinkommen den Staaten ein, das helfen könnte, „audiovisuelles Kulturerbe über audiovisuelle Archive und Bibliotheken zugänglich zu machen“. Zur Begründung wird ausgeführt, ein solches Protokoll solle den Schutz des audiovisuellen Kulturerbes durch öffentliche audiovisuelle Bibliotheken verstärken und den Staaten die Möglichkeiten der Nutzung urheberrechtlich geschützten audiovisuellen Materials für Lehr- und Forschungszwecke veranschaulichen. Die PACE fordert das Ministerkomitee des Europarats daher auf, eine Durchführbarkeitsstudie in Bezug auf den Entwurf eines zweiten Zusatzprotokolls zum Übereinkommen einzuleiten.

Konkrete Empfehlungen werden ebenfalls vorgebracht, um „Richtlinien für die Gewährleistung des Zugangs zu audiovisuellem Erbe für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln“ und um die Europäische Rundfunkunion aufzufordern, „in Zusammenarbeit mit dem Europarat gemeinsame Strategien und konkrete Maßnahmen für den Schutz des und den Zugang zu im Besitz öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalten befindlichem audiovisuellem Material in Europa zu erarbeiten“.

Referenzen
“Schutz des und Zugang zum audiovisuellen Kulturerbe”, Empfehlung 2001 (2012), Parlamentarische Versammlung des Europarats, 25. Mai 2012