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IRIS 2012-8:1/27

Frankreich

Bilanz der Regulierung von Produktplatzierung im Fernsehen

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Amélie Blocman

Légipresse

Im Juni 2012 hat der Conseil supérieur de l’audiovisuel (Rundfunkaufsichtsbehörde - CSA) eine Bilanz der Umsetzung seines am 16. Februar 2010 gefassten Beschlusses zur Produktplatzierung in Fernsehsendungen gezogen (siehe IRIS 2010-4/23). In diesem Beschluss war eine entsprechende Bilanzierung zwei Jahre nach dem Inkrafttreten vorgesehen.

In Anwendung von Artikel 14-1 des Gesetzes vom 5. März 2009, mit dem die AVMD-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wird, gestattet der Beschluss Produktplatzierung in Kinospielfilmen, audiovisuellen Spielfilmen und Musikvideos. Ausgenommen sind Kindersendungen. Ferner untersagt ist die Platzierung von Produkten, bei denen aus Gründen der Gesundheit oder der öffentlichen Sicherheit Werbung generell untersagt bzw. nur eingeschränkt zulässig ist (Alkohol, Tabakerzeugnisse, Arzneimittel, Feuerwaffen). Bislang ebenfalls unzulässig war die Produktplatzierung in Gewinn- und Glücksspielen. Ein Piktogramm muss den Fernsehzuschauer über in einer Sendung vorhandene Produktplatzierung informieren.

Im Zuge der Erarbeitung dieser Bilanz hat der CSA eine Reihe von Anhörungen von Verbänden durchgeführt, in deren Rahmen Autoren, Regisseure, Produzenten, Werbetreibende, Kommunikationsagenturen, Sender sowie die Verbraucher Stellung nehmen konnten. Der CSA stellte fest, dass anders als im Kinosektor, in dem Produktplatzierung inzwischen üblich ist, diese im Fernsehen eher „verhalten“ betrieben wird. Am häufigsten erfolgten Produktplatzierungen in der Serie Plus belle la vie sowie in mehreren Musikvideos und einigen französischen Spielfilmen. Angesichts der starken Nachfrage von Seiten der Produzenten von Fernsehsendungen sowie der Werbetreibenden prüfte der CSA eine Ausweitung von Produktplatzierung auf andere Formate (Unterhaltungssendungen, Spiele, Reality-TV), wie dies im Übrigen nach der europäischen Gesetzgebung auch zulässig wäre. Bei diesen Überlegungen galt es insbesondere die Vielfalt dieser Sendungen, aber auch die Produktkategorien, für die Produktplatzierung in Frage kommen könnte, sowie die Entwicklung der Anwendungen zu berücksichtigen, um so den möglichen Rahmen einer Ausweitung der Produktplatzierung abstecken zu können. Der CSA stellte ferner fest, dass das Piktogramm „P“ seit Frühjahr 2011 bei der Ausstrahlung amerikanischer Serien erscheint. Letztlich, so der CSA, habe sich die Produktplatzierung in der Mehrheit der Fälle in einer dem Fernsehzuschauer gegenüber respektvollen Weise entwickelt. Aus diesem Grunde entschied der CSA, weder das Ausmaß noch die formalen Voraussetzungen für Produktplatzierung zu ändern. Auch die Kennzeichnung zur Information der Fernsehzuschauer über vorhandene Produktplatzierung soll unverändert bleiben. Allerdings will der CSA die Sender auffordern, eine erneute Informationskampagne zu starten, in deren Rahmen die Fernsehzuschauer über das Piktogramm „P“ informiert werden sollen. Im Beschluss von 2010 war zudem vorgesehen, dass bei Produktplatzierung in einer Sendung, die vom Mediendiensteanbieter produziert, koproduziert oder im Voraus erworben wurde, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Werbetreibenden, dem Produzenten und dem Mediendiensteanbieter vertraglich zu regeln sind. Diese Berufsgruppen bemängelten jedoch zahlreiche Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Vorschrift. Der CSA erwägt eine Änderung der Vorschrift, so dass der Vertrag nicht mehr von den drei Parteien, sondern nur noch zwischen dem Produzenten und Werbetreibenden abzuschließen ist. Als Auflage ist der Mediendiensteanbieter über das Vorhandensein von Produktplatzierung zu informieren. Auch das Verbot von Produktplatzierung in Glücks- und Gewinnspielen soll entfallen.

Referenzen
Délibération n° 2012-35 du 24 juillet 2012 modifiant la délibération n° 2010-4 du 16 février 2010 relative au placement de produit dans les programmes des services de télévision, JO du 7 août 2012 FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=16045
 
  Beschluss Nr. 2012-35 vom 24. Juli 2012 zur Änderung des Beschlusses Nr. 2010-4 vom 16. Februar 2010 über die Produktplatzierung in Fernsehsendungen, Amtsblatt vom 7. August 2012