OBS IRIS Merlin
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IRIS 2012-6:1/18

Frankreich

Lockerung der Regeln für die Programmierung von Spielfilmen im Fernsehen

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Amélie Blocman

Légipresse

Die französische Verordnung vom 2. Mai 2012 ändert die Bestimmungen der Verordnung vom 17. Januar 1990 bezüglich der Ausstrahlung audiovisueller und kinematographischer Werke im Fernsehen. Laut dieser Verordnung war es frei empfangbaren Sendern an folgenden Tagen bzw. Zeiten nicht erlaubt, Spielfilme zu zeigen: am Mittwoch und am Freitagabend sowie am Samstag ganztags und am Sonntag bis 20.30 Uhr. Die neue Verordnung setzt nun die jüngst zwischen France Télévisions und Canal+ mit Vertretern der Filmwirtschaft erreichten Vereinbarungen teilweise um. Die Vereinbarung zielt darauf ab, das Zeitfenster für die Ausstrahlung von Spielfilmen durch Fernsehveranstalter wie in Artikel 10 und 11 der Verordnung vom 17. Januar 1990 festgelegt zu lockern; im Gegenzug verpflichten sich die genannten Fernsehanbieter insbesondere zu finanziellen Engagements. Damit ist nun für nicht auf Kinofilme spezialisierte Veranstalter, deren durchschnittliche jährliche Reichweite 5% der gesamten Fernseheichweite nicht übersteigt, die Ausstrahlung von Spielfilmen am Mittwoch zu Beginn des Fernsehabends zulässig. Dies gilt unter dem Vorbehalt, dass die Bedingungen für ein verstärktes Engagement zugunsten des Filmschaffens seitens des Fernsehanbieters bzw. der Gruppe, der dieser angehört, eingehalten werden. Im Einzelnen ist dieser verpflichtet, mindestens 3,5% seines Jahresumsatzes - anstelle von mindestens 3,2% nach den derzeitigen Bestimmungen - für die Förderung der Produktion europäischer Spielfilme aufzuwenden; dabei darf es sich nicht um den Kauf von Senderechten handeln. Darüber hinaus muss der Anteil europäischer oder französischer Spielfilme an der Gesamtzahl der vom Anbieter in einem Jahr ausgestrahlten bzw. wiederholten Spielfilme mindestens 85% betragen. Da diese Lockerung im Hinblick auf die Ausstrahlung von Filmen zu Beginn des Abendprogramms vor allem den Sender France 4 betrifft, wurde eine entsprechende Verordnung erlassen, die das Pflichtenheft des Dachveranstalters France Télévisions abändert, dem France 4 angehört; die Verordnung wurde am selben Tag im Amtsblatt veröffentlicht.

Ferner sieht die neue Verordnung zur Ausstrahlung audiovisueller und kinematographischer Werke im Fernsehen vor, dass Anbieter von Spielfilmerstausstrahlungen, die keine reinen Premierensender sind (gemeint ist hier das Bouquet Ciné+), nunmehr am Freitag von 18 bis 21 Uhr und am Samstag von 18 bis 23 Uhr Spielfilme ausstrahlen können. Diese Lockerung ist an eine Bedingung geknüpft: Der Kinostart der Filme in Frankreich muss mehr als zehn Jahre zurückliegen, und die Filme müssen während des ersten Jahres der Kinoauswertung in Frankreich mindestens 1,5 Mio. Zuschauer erreicht haben. Die Lockerung gilt auch für Angebote von Einrichtungen der Pflege und Erhaltung des Filmerbes und andere Filmangebote, wenn diese Teil eines Angebots aus verschiedenen Diensten sind, wobei mindestens ein Dienst der Erstausstrahlung von Spielfilmen gewidmet ist.

Referenzen
Décret n° 2012-757 du 9 mai 2012 modifiant les articles 10 et 11 du décret n° 90-66 du 17 janvier 1990 pris pour l'application de la loi n° 86-1067 du 30 septembre 1986 et fixant les principes généraux concernant la diffusion des œuvres cinématographiques et audiovisuelles par les éditeurs de services de télévision FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15829
 
  Verordnung Nr. 2012-757 vom 9. Mai 2012 zur Änderung der Artikel 10 und 11 der Verordnung Nr. 90-66 vom 17. Januar 1990 zur Anwendung des Gesetzes Nr. 86-1067 vom 30. September 1986 betreffend die allgemeinen Grundsätze zur Ausstrahlung kinematographischer und audiovisueller Werke durch Fernsehanbieter    
Décret n° 2012-758 du 9 mai 2012 portant modification du cahier des charges de la société nationale de programme France Télévisions FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15830
 
  Verordnung Nr. 2012-758 vom 9.Mai 2012 zur Änderung des Pflichtenhefts von France Télévisions