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IRIS 2012-5:1/7

Belgien

Flämischer kommerzieller Fernsehsender zeigte Film mit Werbeunterbrechungen

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Katrien Lefever

Interdisziplinäres Zentrum für Recht und ICR (ICRI), KU Leuven - IBBT

Am 31. Dezember 2011 um 20.20 Uhr strahlte der flämische kommerzielle Fernsehsender VTM den Film „Ratatouille” aus. Der Film wurde dreimal durch Werbung unterbrochen. In der Folge ging bei der flämischen Regulierungsbehörde (Vlaamse Regulator voor de Media - VRM) eine Beschwerde ein. Nach Auffassung des Beschwerdeführers hätte der Film nicht unterbrochen werden dürfen, da es sich um ein Kinderprogramm handle (Art. 80,2 des flämischen Mediengesetzes). Der Regulierer VRM kam jedoch zu der Auffassung, dass kein Verstoß gegen diesen Artikel vorliegt.

Nach der allgemeinen Regel für die Unterbrechung von Programmen durch Werbung haben die Fernsehveranstalter die Wahl, wann sie ihre Programme durch Werbung unterbrechen, sofern die Integrität der Programme unter Berücksichtigung natürlicher Pausen, der Dauer und der Art der Programme sowie der Rechte der Rechteinhaber gewahrt bleiben (Art. 80,1). Kinderprogramme dürfen jedoch nicht durch Werbung unterbrochen werden (Art. 80,2).

Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist der Film „Ratatouille“ als Kinderprogramm zu bewerten. Deshalb sei es unzulässig, den Film durch Werbeblöcke zu unterbrechen. Nach Auffassung des Regulierers VRM ist der Film „Ratatouille“ jedoch keine Kindersendung. In Artikel 2,19 des flämischen Rundfunkgesetzes sind Kinderprogramme als „Programm (definiert), das sich hauptsächlich an Kinder richtet; dabei sind der Inhalt, die Sendezeit, die Form, die Präsentation und die Art der Ankündigung des Programms zu berücksichtigen“. Kinder sind „Personen unter 12 Jahren” (Art. 2,18). Der Regulierer wies darauf hin, dass nicht alle für Kinder geeigneten Programme unter die Definition von Kindersendungen fallen. Nur Sendungen, die sich vorrangig an Kinder unter 12 Jahren wenden, genügen dieser Definition. Inhalt, Sendezeit und Präsentation des Films „Ratatouille“ (Kriterien des Gesetzes) deuteten darauf hin, dass sich der Film an ein breites Publikum, an Kinder und Erwachsene, wandte. In verschiedenen Besprechungen des Films war zwar die Rede von einem „kinderfreundlichen” Film, doch bei Erwachsenen könnte er noch mehr Anklang als bei Kindern finden, da er einen feinsinnigen Humor aufweise und auf Erwachsene bezogene direkte Anspielungen enthielt. Darüber hinaus wurde der Film nicht zu einer Zeit ausgestrahlt, in der VTM üblicherweise Kindersendungen zeigt. Der flämische Medienregulierer kam zu dem Schluss, dass „Ratatouille“ nicht als Kindersendung eingestuft werden kann und somit durch Werbung unterbrochen werden durfte.

Referenzen
P.V. t. VMMa, Beslissing 2012/006, 20 februari 2012 NL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15763
 
  P.V. v. VMMa, Entscheidung 2012/006, 20. Februar 2012