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IRIS 2012-4:1/13

Bulgarien

Nationale Strategie für Kulturentwicklung steht bevor

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Ofelia Kirkorian-Tsonkova

Rechtsanwalt

Gemäß Artikel 2a des Gesetzes zum Schutz und zur Entwicklung der Kultur, das 2006 in Kraft trat, muss der Ministerrat auf Vorschlag des Kulturministers eine nationale Strategie für die Entwicklung der Kultur verabschieden. Das Ministerium hatte fünf Jahre lang nicht einmal ein Konzept für eine solche Strategie vorgelegt, doch besteht nun eine echte Chance, dass bis 1. Juli 2012 ein Strategieentwurf zustande kommt.

Die Strategie entsteht in Zusammenarbeit zwischen dem Kulturministerium und anderen staatlichen Einrichtungen sowie Vertretern ziviler und kultureller Organisationen. Mehr als 150 Personen aus ähnlichen Gruppen sind daran beteiligt. Der Arbeitsentwurf für die im Rahmen der Strategie vorgesehenen Maßnahmen wird im Internet veröffentlicht und kann von den interessierten Parteien diskutiert werden. Nach der Abgabe der Erklärungen von Berufsorganisationen soll das endgültige Dokument in Einklang mit der Meinung einer speziellen Expertengruppe der Regierung gebracht und von den Ministern diskutiert werden. Die Beteiligten erwarten, dass das endgültige Dokument im Juli 2012 fertiggestellt sein wird.

Wichtigstes Ziel dieser Strategie ist es, alternative Quellen für die Förderung kreativer Branchen in Bulgarien vorzuschlagen. Besondere Maßnahmen sollen für Software, bildende Kunst, Bühnenkunst, Veröffentlichungen, Design, Architektur und die Filmwirtschaft angeboten werden. Eine davon besteht in der Erstellung eines nationalen Programms für die Filmwirtschaft, das nach Artikel 9 Absatz 3 Ziffer 1 des Gesetzes über die Filmindustrie bereits seit 2003 vorliegen müsste, aber bisher niemals auch nur diskutiert wurde. In diesem Programm sollen Kriterien für die Bewertung von Filmen erstellt werden, die mit staatlichen Beihilfen produziert werden. Zudem sollen vorbildliche Praktiken gefördert werden.

Vertreter aus dem Filmbereich bestehen auch auf Steuererleichterungen für Investitionen in Filmproduktionen, die in Bulgarien realisiert werden, oder einem Sonderfonds zur Finanzierung neuer Filme auf der Grundlage von Gewinnspielen als Geldquelle, ähnlich dem britischen Modell.

Mit dieser Strategie soll die Regierung erstmals ihre Politik in Bezug auf die Digitalisierung des bulgarischen Kinos zeigen. Als Nachteile dieser Digitalisierung werden das Fehlen ausreichender Kinos im Land und die veraltete Gesetzgebung in diesem Bereich genannt. Die Internetpiraterie und die hohen Kosten für die Digitalisierung des nationalen Filmfundus dienten Politikern in den vergangenen zehn Jahren als Begründung für ihre Untätigkeit in diesem Bereich. Nun beinhaltet der Strategieentwurf die Schaffung eines digitalen Kinos, das per Internet durch Streaming zugänglich ist, sowie die Entwicklung einer Plattform für das legale Herunterladen von Filmen.

Referenzen
Проектът „Национална стратегия за развитие на творческите индустрии” BG
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15706
 
  Arbeitsentwurf für die im Rahmen der Strategie vorgesehenen Maßnahmen