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IRIS 2012-4:1/11

Belgien

Flämischer Privatsender verstößt gegen Regelungen zur Produktplatzierung

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Katrien Lefever

Interdisziplinäres Zentrum für Recht und ICR (ICRI), KU Leuven - IBBT

Während der Ausstrahlung der Sendung Huizenjacht durch den flämischen Privatsender VT4 wurde mehrmals das Logo von Martini Brut (Sekt) gezeigt. Gemäß dem Vlaamse Regulator voor de Media (Flämischer Medienregulierer - VRM) verstößt dies gegen Artikel 100, § 1, 3° des Mediadecreet (Flämisches Rundfunkgesetz), wonach Produktplatzierung zulässig ist, sofern die im Programm einbegriffenen Produkte nicht übermäßig hervorgehoben werden.

Die Sendung Huizenjacht befasst sich mit den Themen Häuserrenovierung und Wohnungssuche. Huizenjacht enthält einen Beitrag, in dem ein Innenarchitekt ein Paar über die Renovierung eines bestimmten Raums in ihrem Haus informiert. Dabei zeigt der Innenarchitekt eine 3D-Präsentation auf einem Computerbildschirm. Bei der Huizenjacht-Sendung am 16. November 2011 stand eine Flasche Martini Brut neben dem Computer. Während des Beitrags wurden verschiedene Aufnahmen des Computers und der Flasche gezeigt, worauf das Logo und die Marke von Martini Brut deutlich sichtbar waren. Das Logo wurde während des dreiminütigen Beitrags elf Mal gezeigt. Am Ende der Präsentation kam die Martini-Flasche nochmals ins Bild, während der Innenarchitekt und das Paar ein Glas Sekt tranken.

Dem Sender zufolge sollte der VRM bei seiner Auseinandersetzung mit dem Begriff „unzulässige Hervorhebung“ den Inhalt und den Rahmen des Programms berücksichtigen, in dem eine Marke vorkommt. Der Sender machte geltend, dass es bei Huizenjacht Tradition sei, nach der Präsentation ein Glas Sekt zu trinken. Folglich sei der Verzehr eines Glases Sekt fester Bestandteil der Sendung. Der VRM folgte dem jedoch nicht. Die Sendung Huizenjacht habe die Wohnungssuche, Renovierung und Einrichtung von Häusern zum Thema und der Beitrag befasse sich mit Fragen der Renovierung eines bestimmten Zimmers eines Hauses. Angesichts der Tatsache, dass weder das Konzept noch der Charakter der Sendung mit Sekt zusammenhingen, stelle der Verzehr eines Glases Sekt keinen festen Bestandteil der Sendung dar. Der VRM entschied, dass VT4 die Grenzen der zulässigen Aufmerksamkeit, die in einer Sendung mit Produktplatzierung auf ein bestimmtes Produkt gerichtet werden kann, überschritten habe. Infolgedessen genoss das Produkt eine unzulässige Hervorhebung, was einen Verstoß gegen Artikel 100, § 1, 3 darstellte. Aufgrund der Schwere des Verstoßes beschloss der VRM, eine Geldstrafe in Höhe von EUR 5.000 zu verhängen.

Referenzen
VRM t. SBS Belgium, Beslissing 2012/002, 23 Januari 2012 NL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15732
 
  VRM gegen SBS Belgien, Entscheidung 2012/002, 23. Januar 2012