OBS IRIS Merlin
english francais deutsch

IRIS 2012-4:1/10

Belgien

Flämischer kommerzieller Sender verstößt nicht gegen Teleshopping-Bestimmungen, sondern bietet interaktiven Dienst an

print add to caddie Word File PDF File

Katrien Lefever

Interdisziplinäres Zentrum für Recht und ICR (ICRI), KU Leuven - IBBT

In dem Programm „Kill the Clip” des Senders TMF, eines flämischen kommerziellen Senders, werden 5 Videoclips ausgestrahlt. Wenn diese Videoclips laufen, wird folgender Banner eingeblendet: „Keep the clip…Kill the clip” „You decide SMS KILL or KEEP to 3373 (EUR 0,60/SMS). Der Vlaamse Regulator voor de Media (Flämischer Medienregulierer - VRM) hatte zu entscheiden, ob ein solcher Dienst als Teleshopping bezeichnet werden sollte. Art. 2, 45° Mediadecreet (Flämisches Rundfunkgesetz) definiert Teleshopping als „direkt an die Öffentlichkeit gerichtete Angebote zur Lieferung von Waren oder Dienstleistungen, einschließlich unbeweglichem Eigentum, unbeweglicher Rechte und Verpflichtungen gegen Zahlung eines Entgelts”. Würde dieser Dienst als Teleshopping bezeichnet, müsste der VRM prüfen, ob der Teleshopping-Spot sofort zu erkennen und von redaktionellen Inhalten zu unterscheiden war (Art. 79 Flämisches Rundfunkgesetz).

Gemäß dem flämischen Sender sollte dieser Dienst nicht als Teleshopping eingestuft werden, sondern als ein interaktiver Dienst. Der interaktive Dienst funktioniert wie folgt: Beginnt ein Videoclip zu laufen, können die Zuschauer eine SMS-Nachricht mit dem Inhalt „abschießen“ oder „lassen“ senden. Wenn sechs Zuschauer den Text „abschießen“ gesendet haben, bewegt sich ein kleiner Kasten in den roten Bereich eines Balkens. Bleibt dieser Kasten 15 Sekunden lang in diesem roten Bereich, wird der Clip unterbrochen, die Nachricht „du hast den Clip abgeschossen“ angezeigt und ein neuer Videoclip gestartet.

Nach Auffassung des VRM ist das Hauptmerkmal des Teleshopping die Ausstrahlung eines direkten Angebots, das mit der Absicht abgegeben wird, Waren oder Dienstleistungen gegen Zahlung von Geld zu liefern. Der Zuschauer sollte mit der Angabe eines Preises und Kontaktinformationen in die Lage versetzt werden, direkt auf das Angebot reagieren und einen Auftrag telefonisch, per Email, Fax oder Post erteilen zu können. In der Vergangenheit hatte der VRM SMS-Spiele wiederholt als Teleshopping eingestuft, wenn Banner bei laufenden Videoclips eingeblendet wurden, die die Zuschauer zum Senden einer SMS aufforderten, ob sie mit ihrem Partner zusammenbleiben wollten oder wie der Name ihres erstgeborenen Kindes lauten werde. Weil die Antworten auf einem Banner auf dem Bildschirm zu sehen waren, entschied der VRM, dass die Zuschauer einen Teil des Bildschirms gekauft hatten und dass somit diese SMS-Spiele als Teleshopping bezeichnet werden sollten. Allerdings besteht der wesentliche Unterschied zwischen solchen SMS-Spielen und „Schieß den Clip ab“ darin, dass bei letzterem die Zuschauer tatsächlich einen Einfluss auf den Inhalt des Programms ausüben. Infolge dessen kam der VRM zu dem Schluss, dass dieses Programm nicht als Teleshopping-Programm eingestuft werden sollte, sondern als ein interaktiver Dienst. Damit findet Artikel 79 Flämisches Rundfunkgesetz auf dieses Programm keine Anwendung. Darüber hinaus betonte der VRM, dass Sender keine Genehmigung haben, das Maß der Interaktivität bei einem SMS-Spiel zu begrenzen, indem sie eine Reihe von Filtern einsetzen, wie z.B. die Anzahl an Textnachrichten, die gesendet werden sollten, ehe etwas geschieht oder eine zeitliche Begrenzung innerhalb einer bestimmten Anzahl von zu sendenden Textnachrichten festsetzen.

Referenzen
VMMa t. MTV Networkds, Beslissing 2012/001 NL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15730
 
  VMMa gegen VRT, Entscheidung 2012/001, 18. Januar 2012