OBS IRIS Merlin
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IRIS 2012-3:1/23

Vereinigtes Königreich

Nicht jugendfreies Abrufangebot zensiert

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David Goldberg

deeJgee Research/Consultancy

Am 1. Februar 2012 hat die Authority for Television On Demand (britischer Koregulierer für Fernsehen auf Abruf - ATVOD) ihre Entscheidung bekanntgegeben, derzufolge der webbasierte Abrufdienst für nicht jugendfreie Programme Bootybox.tv gegen gesetzliche Regelungen verstoßen habe, denen zufolge Anbieter von Abrufangeboten gewährleisten müssen, dass Jugendliche unter 18 Jahren normalerweise keinen Zugriff auf harte pornographische Inhalte haben. Bootybox.tv wurde der ATVOD als seit November 2010 verfügbar gemeldet. Der Anbieter des Dienstes beschrieb seinen Inhalt als „allgemeine und größtenteils BBFC-konforme, online verfügbare britische Pornographie“.

Am 26. Juni 2011 beschwerte sich ein Vater, dass sein Sohn diesen Dienst sowie andere webbasierte Dienste genutzt habe, um auf pornographische Videos zuzugreifen, „(…) die keiner elterlichen Kontrolle unterliegen und bei weitem zu hart sind, um selbst nach britischem Recht zulässig zu sein (..)“.

Der Sachverhalt unterfällt § 368E (2) des Kommunikationsgesetzes aus dem Jahr 2003. Danach muss ein Abrufdienst, der Material beinhaltet, das die körperliche, geistige oder moralische Entwicklung von Personen unter 18 Jahren ernsthaft beeinträchtigen könnte, dieses Material in einer Weise zugänglich machen, die gewährleistet, dass diese Personen es normalerweise nicht sehen oder hören“. Diese Bestimmung spiegelt sich in Vorschrift 11 der ATVOD Rules & Guidance (Vorschriften und Leitlinien der ATVOD) wider.

Die ATVOD stellte fest, dass die Website die gesetzlichen Vorschriften in zweierlei Hinsicht verletze. Erstens ermöglichte sie jedem Besucher der Website uneingeschränkten Zugang zu einer Auswahl an harten pornographischen Werbevideos/Trailer, die reale Sexszenen explizit und im Detail zur Schau stellen, und zeigte auf der Homepage ein großes Standbild einer eindeutigen sexuellen Darstellung. Zweitens war der Zugang zu den vollständigen Videos für jeden Besucher frei, der eine Gebühr gezahlt hatte. Da der Abrufdienst Zahlungsarten wie beispielsweise Geldkarten und Prepaid-Gutscheine akzeptierte, die von unter 18-Jährigen genutzt werden können, entschied die ATVOD, dass der Dienst zudem versäumt habe, wirksame Zugangskontrollen in Hinblick auf die vollständigen Videos einzurichten.

Auf ihre Entscheidung ließ die ATVOD eine Ankündigung der Durchsetzung folgen, die den Anbieter von Bootybox.tv aufforderte, entweder den Hardcore-Porno-Inhalt vom Abrufdienst zu entfernen oder sämtliche Inhalte durch wirksame Zugangskontrollen zu sperren, die garantieren, dass lediglich Erwachsene sie sehen können.

Der Dienst wurde mittlerweile eingestellt.

Referenzen
ATVOD, Determination that the provider of the on demand programme service “bootybox.tv” was in breach of rule 11, 1 February 2012 EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15660
 
  Entscheidung der ATVOD - Bootybox.tv, 1. Februar 2012