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IRIS 2012-2:1/21

Frankreich

CSA ändert die Voraussetzungen für die Bereitstellung von für Minderjährige nicht geeignete Programme

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Amélie Blocman

Légipresse

Am 20. Dezember 2011 hat der Conseil supérieur de l’audiovisuel (Rundfunkaufsichtsbehörde - CSA) einen Beschluss zum Jugendschutz, den Standesregeln und zum Zugang zu den französischen audiovisuellen Abrufdiensten verabschiedet, durch den der Beschluss vom 14. Dezember 2010 ersetzt wird (siehe IRIS 2011-2/27). Gemäß Artikel 1 des Gesetzes vom 30. September 1986 ist es Aufgabe des CSA, junge Zuschauer vor Programmen zu schützen, die deren körperliche, geistige oder sittliche Entfaltung beeinträchtigen könnten. Nach Artikel 15 des Gesetzes hat der CSA insbesondere für die Umsetzung geeigneter Maßnahmen in Bezug auf audiovisuelle Abrufdienste Sorge zu tragen. Mit der Entwicklung eines neuen Konsumverhaltens, das dem Fernsehzuschauer eine große Wahlfreiheit lässt, steigt die Gefahr, dass jugendliche Zuschauer mit Inhalten konfrontiert werden, die nicht für sie geeignet sind. Aus diesem Grunde hat die Aufsichtsbehörde spezifische Regeln für die audiovisuellen Abruf-Mediendienste erlassen. Die Programme werden in fünf Jugendschutzkategorien eingeteilt, an die sich die Herausgeber von Abrufdiensten halten müssen. Die jeweilige Kategorie wird mittels eines Piktogramms mit dem Vermerk „für Jugendliche unter … Jahren nicht geeignet“ gekennzeichnet. Dieses Piktogramm wird bei jeder Erwähnung der entsprechenden Sendung eingeblendet. Für Sendungen, die für alle Altersklassen freigegeben sind, muss der Herausgeber eines audiovisuellen Abrufdienstes in seinem Programmkatalog einen „sicheren Bereich“ (espace de confiance) anbieten, in dem die Familie oder der Minderjährige unter Filmen, die ausschließlich ohne Altersbeschränkung freigegeben sind, wählen kann. In diesem Bereich des Vertrauens dürfen zudem keine Bilder, Beschreibungen und Ausschnitte von Filmen bzw. Anzeigen oder Werbung für Programme gezeigt werden, für die eine Altersbeschränkung gilt. Mit dem neuen Beschluss werden insbesondere neue Regeln für die Kategorie V eingeführt (Filmwerke für Zuschauer ab 18 Jahren, pornographische Filme bzw. Filme, in denen besonders gewalttätige Szenen gezeigt werden und die nur für ein erwachsenes Publikum gedacht sind). Die neuen Regeln waren notwendig geworden, nachdem die bisherige Regelung für diese Filme am 12. Juli 2011 aufgehoben worden war. Filme der Kategorie V dürfen ausschließlich als entgeltliche Angebote im Einzel- oder im Abo-Abrufverfahren vermarktet und nur in einem speziell abgetrennten Bereich angeboten werden. Dies gilt auch für Bilder, Beschreibungen und Ausschnitte bzw. Anzeigen oder Werbung für diese Programme. Neu ist, dass von der zeitlichen Beschränkung Abstand genommen wird, die ursprünglich für die Ausstrahlung der Filme der Kategorie V im Bereich der audiovisuellen Abrufdienste im Abonnement vorgesehen war. Auch die Alterskontrolle durch Vorlage einer Kopie des Personalausweises entfällt. Im Gegenzug wird der Bereich, in dem Filme der Kategorie V angeboten werden, nunmehr durch eine spezielle Sperre in Form eines persönlichen, zusätzlich gesicherten Codes geschützt, der gleich bei der ersten Nutzung des Dienstes aktiviert wird. Die Betreiber haben ab der Veröffentlichung des Beschlusses sechs Monate Zeit zur Umsetzung der neuen Regelung. Diese Zeit sollen sie nutzen, um die für die Umsetzung erforderlichen technischen Maßnahmen zu treffen.

Referenzen
Délibération du 20 décembre 2011 relative à la protection du jeune public, à la déontologie et à l’accessibilité des programmes sur les services de médias audiovisuels à la demande, Journal officiel du 31 décembre 2011 FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=16128
 
  Beschluss vom 20. Dezember 2011 zum Jugendschutz, zu den Standesregeln und zum Zugang zu den audiovisuellen Abrufdiensten, Amtsblatt vom 31. Dezember 2011