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IRIS 2012-1:1/6

Europäisches Parlament

Entschließung zum europäischen Kino im digitalen Zeitalter

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Manon Oostveen

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 16. November 2011 hat das Europäische Parlament eine Entschließung zum europäischen Kino im digitalen Zeitalter verabschiedet.

In der Entschließung betont das Europäische Parlament die ungebrochene Popularität des Kinos und sein enormes finanzielles sowie sein Wachstums- und Beschäftigungspotenzial. Es unterstreicht die wachsende wirtschaftliche Bedeutung und betont seine wichtige Rolle für die kulturelle Entwicklung und Identität Europas.

Das EP stellt jedoch auch fest, dass die europäische Kinolandschaft ein hohes Maß an Zersplitterung und Diversifizierung aufweist. Die Umstellung auf Digitaltechnik und die Vorherrschaft US-amerikanischer Produktionen werden als Bedrohung für das europäische Kino im Allgemeinen und kleine Kinos im Besonderen aufgeführt.

Zudem werden folgende Probleme als Bedrohung eingestuft:

- die hohen Kosten der Digitalisierung;

- die Schließung kleiner Kinos;

- Piraterie und illegale Downloads;

- die Probleme in Zusammenhang mit der Verbreitung und dem Vertrieb von Filmen;

- der Mangel an angemessenen Schulungen für Filmvorführende im Hinblick auf den Umgang mit der neuen digitalen Kinoausstattung.

Um diesen Gefahren zu begegnen, schlägt die Entschließung einige besondere Maßnahmen vor. Hierbei liegt die Priorität auf der Vermeidung der Schließung kleiner, unabhängiger Kinos und Programmkinos und der öffentlichen Förderung dieser Kinos. Daneben werden folgende Vorschläge gemacht:

- die Systeme auf der Grundlage von ISO-Normen (bis zu einem gewissen Grad) zu standardisieren;

- die Kinos zu ermutigen, die Digitalisierung so bald wie möglich umzusetzen;

- die Förderung zu erhöhen und die Verfahren der Europäischen Strukturfonds zu ändern.

Das Europäische Parlament fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen zu ergreifen, um das europäische Kino und insbesondere die kleinen Kinos zu unterstützen.

Es wird eingeräumt, dass das VPF-Finanzierungsmodell (Virtual Printing Fee) nur für die Digitalisierung großer Kinoketten von Nutzen ist. Es werden Lösungen für andere Kinos vorgeschlagen. Darüber hinaus wird auf das MEDIA-Programm verwiesen, dessen Bedeutung unterstrichen wird, und Initiativen, insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung, vorgeschlagen und gefordert.

Die Mitgliedstaaten werden dazu aufgefordert, Filmerziehung in ihre nationalen Bildungsprogramme aufzunehmen. Mit der Entschließung ermutigt das EP sie ferner, europäische Produktionen zu fördern und technologieneutrale Unterstützung für Kinos anzubieten, die einen hohen Anteil europäischer Filme zeigen. Die Initiative liegt nun der Kommission und den Mitgliedstaaten vor.

Referenzen
Entschließung des Europäischen Parlaments vom 16. November 2011 zu dem europäischen Kino im digitalen Zeitalter (2010/2306(INI)) DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15577