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IRIS 2012-1:1/5

Europäische Kommission

Programm Kreatives Europa

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Michiel Oosterveld

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 23. November 2011 hat die Europäische Kommission, aufbauend auf der Erfahrung mit den Programmen Kultur und MEDIA, mit denen die Kultur- und AV-Branche seit mehr als 20 Jahren unterstützt wird, den Vorschlag eines neuen EU-Programms „Kreatives Europa“ angekündigt. Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, die sich dafür ausspricht, mehr in die europäische Kultur- und Kreativbranche zu investieren, erklärt: „Diese Investition wird tausenden Fachkräften in der Kultur- und AV-Branche helfen, den Binnenmarkt optimal zu nutzen und neue Publikumsschichten in Europa und darüber hinaus anzusprechen. Das Programm Kreatives Europa fördert auch die kulturelle und sprachliche Vielfalt und leistet einen Beitrag zu unseren Europa-2020-Zielen für Beschäftigung und nachhaltiges Wachstum.“

EU-Studien zeigen, dass die europäische Kultur- und Kreativbranche für rund 4,5 % des europäischen BIP steht und Arbeitsplätze für 8,5 Millionen Menschen bietet. Damit ist Europa beim Export von Produkten der kreativen Industrie weltweit führend. Nach Auffassung der Europäischen Kommission werden Investitionen auf diesem Sektor benötigt, um seine Position zu festigen: Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Innovation und sozialer Zusammenhalt würden von einer starken Kultur- und Kreativbranche profitieren.

Mit einem vorgeschlagenen Budget von EUR 1,8 Mrd. für den Zeitraum 2014-2020 würde das Programm Kreatives Europa bedeutende Investitionen in den kulturellen und kreativen Sektor ermöglichen. Die Europäische Kommission will mehr als EUR 900 Mio. für die Unterstützung des Kinos und des audiovisuellen Sektors zur Verfügung stellen. EUR 500 Mio. sollen für Investitionen in die Kultur bereitgestellt werden. Außerdem werden EUR 210 Mio. für einen neuen Bankbürgschaftsrahmen vorgesehen, der es kleinen Anbietern erleichtern soll, Bankanleihen zu erhalten. Neben dem Abbau der Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzierungen soll das Programm die europäische Kultur- und Kreativbranche in die Lage versetzen, Probleme wie die Marktfragmentierung zu überwinden. Ferner soll es einen Beitrag zur besseren Politikgestaltung leisten, indem es den Austausch von Erfahrungen und Know-how erleichtert.

Das Programm Kreatives Europa, das nun dem EU-Ministerrat und dem Europäischen Parlament zur Beratung vorliegt, soll mindestens 8.000 kulturellen Organisationen und 300.000 Kulturschaffenden und Künstlern helfen, sodass die durch das Programm finanzierten Projekte insgesamt 100 Millionen Menschen erreichen können.

Referenzen
Kreatives Europa: Kommission stellt Förderplan für die Kultur- und Kreativbranche vor, Pressemitteilung, IP 11/1399, 23. November 2011 DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=15578