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IRIS 2012-1:1/16

Schweiz

Harmonisierung der Altersklassifizierung für Kinofilme

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Patrice Aubry

Westschweizer Fernsehen und Radio, Genf

Die Altersklassifikation für öffentliche Filmvorführungen soll in der gesamten Schweiz vereinheitlicht werden. Zu diesem Zweck hat die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) gemeinsam mit dem Schweizerischen Verband für Kino und Filmverleih (ProCinema), dem Schweizerischen Video-Verband (SVV) sowie der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) eine Vereinbarung erarbeitet. Ziel dieser Vereinbarung ist die Einrichtung einer schweizerischen Kommission für Jugendschutz im Filmsektor, die für die Kantone und die Filmbranche Empfehlungen zur Alterseinstufung von Filmen und audiovisuelle Bildträger erarbeiten soll, die öffentlich vorgeführt werden. Die Kommission besteht aus Vertretern der Filmbranche und der Behörden sowie aus unabhängigen Fachleuten. Die verschiedenen Landesgegenden und -sprachen sollen angemessen berücksichtigt werden.

Bis dato legte jeder Kanton das Mindestzutrittsalter bei Kinofilmen selbst fest, was zu von Kanton zu Kanton unterschiedlichen Regelungen führte. Im Rahmen der Vernehmlassung zum Kinogesetz vom 14. Dezember 2001 hatten mehrere Kantone und Kinoverbände vorgeschlagen, landesweite Regelungen zum Jugendschutz zu verabschieden. Sie vertraten die Auffassung, die geltenden kantonalen Bestimmungen entsprächen nicht mehr den neuen audiovisuellen Konsumpraktiken. Zudem wurde eine einheitliche Regelung gewünscht, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, die durch die unterschiedlichen kantonalen Regelungen verursacht wurden. Der Bundesrat hatte diesen Vorschlag jedoch mit der Begründung abgelehnt, die Verfassung lasse in diesem Bereich, in dem die Kantone allein zuständig seien, kein derartiges Eingreifen des Bundes zu.

Die Kommission wird sich bei der Alterseinstufung an den bestehenden Empfehlungen der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Deutschland orientieren. Die von der FSK beschlossene Einstufung gilt grundsätzlich als Empfehlung der Kommission. Letztere kann aber von den Entscheiden der FSK abweichen, wenn sie dies für notwendig erachtet. Ist ein Film nicht von der FSK eingestuft, wird die Alterseinstufung von der Kommission vorgenommen, die sich dabei am Vorschlag des Filmverleihers orientieren kann.

Die Alterseinstufungen gehen von 0 (ohne Altersbeschränkung) bis 18 Jahre. Solange keine Alterseinstufung vorgenommen wurde, gilt ein Zulassungsalter von 18 Jahren. Kinder und Jugendliche können sich Filme, die eine Alterskategorie höher eingestuft sind, bis zu einer Abweichung von maximal zwei Jahren ansehen, sofern sie von einer Person begleitet werden, die die elterliche Sorge ausübt. Neben einer Empfehlung für das Zutrittsalter legt die Kommission auch eine Empfehlung in Bezug auf die Alterskategorien vor, die sie für den Konsum der Filme als geeignet erachtet.

Die Kommission übernimmt auch die Einstufung der FSK für DVDs und Blu-ray Discs. Wurden Filme weder im Kino aufgeführt noch von der FSK eingestuft, übernimmt die Kommission den Vorschlag des Filmverleihers oder nimmt eine eigene Einstufung vor. Videospiele werden nicht von der Kommission eingestuft. Diese unterliegen weiterhin dem europäischen Einstufungssystem Pan European Game Information (PEGI).

Referenzen
Vereinbarung über eine schweizerische Kommission Jugendschutz im Film vom 11. November 2011