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Deutschland

Pornostar muss namentliche Nennung in Berichterstattung hinnehmen

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Gianna Iacino

Institut für Europäisches Medienrecht (EMR), Saarbrücken/Brüssel

Mit seinem Urteil vom 25 Oktober 2011 (Az. VI ZR 332/09) hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass ein in identifizierbarer Weise an Pornofilmen mitwirkender Schauspieler eine namentliche Nennung in einer Boulevardzeitung hinnehmen muss.

Der Kläger ist Bildhauer wirkte jedoch insgesamt acht Mal als Pornodarsteller an Pornofilmen mit. In diesen Filmen wird er ohne jede Einschränkung dargestellt wird, d.h. auch sein Gesicht ist in den Pornofilmen zu sehen. Auch auf dem Cover des entsprechenden Filmmaterials ist das Gesicht des Klägers abgebildet. Allerdings wird der bürgerliche Name des Klägers nicht genannt. In den Filmen ist erkennbar, dass der Kläger beim Filmen der Sexszenen keine Kondome benutzt.

Im Rahmen der Veranstaltung zur Verleihung des Deutschen Filmpreises erschien der Kläger zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gemeinsam mit seiner neuen Lebenspartnerin, die ebenfalls eine bekannte Schauspielerin ist. Die beklagte Zeitungsverlegerin nahm die Berichterstattung über den deutschen Filmpreis zum Anlass, über die neue Partnerschaft zwischen der Schauspielerin und dem Kläger zu schreiben. Im entsprechenden Beitrag wurde der Kläger namentlich genannt und es wurde darauf hingewiesen, dass er Pornodarsteller ist, der beim Filmen von Sexszenen keine Kondome benutzt. Der Kläger fühlte sich durch die Berichterstattung in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt und erhob Klage auf Unterlassung und Schadenersatz.

Nachdem die Klage in den Vorinstanzen Erfolg hatte, wies der BGH die Klage ab. In der vorzunehmenden Abwägung zwischen dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Klägers und dem Recht der Beklagten auf freie Meinungsäußerung sowie dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit überwiege letzteres. Wer den Schutz der eigenen Sexualität und den Kernbereich der privaten Lebensgestaltung von sich aus der Öffentlichkeit zugänglich macht und somit die Belange der Gemeinschaft berührt, kann sich nicht gleichzeitig auf den öffentlichkeitsabgewandten Schutz seiner Intim- oder Privatsphäre berufen. Durch seine Mitwirkung an professionellen und kommerziellen Pornofilmen, in denen er identifiziert werden kann, habe der Kläger den Schutz seiner Privatsphäre preisgegeben.

Referenzen
Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 25 Oktober 2011 (Az.: VI ZR 332/09) DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=17784