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IRIS 2010-8:1/13

Belgien

Verurteilung von RTBF wegen Produktplatzierung

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François Jongen

Katholische Universität zu Löwen

Die neue Regelung für Produktplatzierung bereitet den belgischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstaltern allem Anschein nach deutliche Probleme. Nach einer zweimaligen Verurteilung des öffentlich-rechtlichen Radiosenders VRT wegen Produktplatzierung (siehe IRIS 2010-5:1/9 und IRIS 2010-7:1/7) ist es nun der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTBF, der sich vom Conseil supérieur de l’audiovisuel (der Rundfunkaufsichtsbehörde - CSA) wegen Verstoßes gegen die rechtlichen Bestimmungen zur Produktplatzierung zu einer Geldbuße in Höhe von EUR 10.000 sowie zur Ausstrahlung einer entsprechenden Mitteilung in seinen Programmen verurteilt sieht.

Im Februar 2010 hatte RTBF anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes zwei Wochen lang auf seinem Hauptsender (La Une) ein tägliches Kurzprogramm zur fernöstlichen Küche mit dem Titel „A table on riz“ ausgestrahlt.

RTBF hatte dem CSA zwar angezeigt, dass die Sendung erstmalig Produktplatzierung enthielt, und Maßnahmen zur entsprechenden Kennzeichnung getroffen. Der CSA erkennt zudem in seinem Entscheid vom 1. Juli 2010 an, dass ein derartiges Kurzprogramm eine Unterhaltungssendung darstelle, in der Produktplatzierung zulässig sei, da diese Form der Werbung unter bestimmten Bedingungen für Sendungen, die nach dem 19. Dezember 2009 produziert wurden, durch das décret coordonné sur les services de médias audiovisuels (Verordnung über die audiovisuellen Medien) für zulässig erklärt wurde (Art. 21).

Der CSA stellt jedoch auch fest, dass eine Reihe von Elementen auf eine zu große Einflussnahme vonseiten des Werbetreibenden (Uncle Ben’s) in den jeweiligen Produktionsstufen sowie bei der Verwertung der Sendung hinweisen. Die redaktionelle Unabhängigkeit von RTBF sei somit nicht gewährleistet, was einen Verstoß gegen die Bestimmungen der Verordnung darstelle. Zu diesen Elementen zählen unter anderem: dass der Inhalt der Sendung genau auf die Interessen des Werbetreibenden zugeschnitten ist; der Umstand, dass der Moderator der Sendung zwar ein Mitarbeiter von RTBF ist - er jedoch durch den Werbetreibenden ausgewählt und engagiert wurde; die Verwendung einer Produktionstechnik, die mehr der Werbesprache als einer herkömmlichen Sendung zuzuordnen ist; der Umstand, dass die Kochrezepte allein auf der Internetseite des Werbetreibenden abrufbar sind und nicht auf der Seite von RTBF.

Es heißt, RTBF sei entschlossen, keinen Antrag auf Aufhebung des Entscheids des CSA zu stellen, und habe seine Werbetochter RMB sogar aufgefordert, die Geldbuße in Höhe von EUR 10.000 zu entrichten.

(Décision du CSA du 1er juillet 2010 (Entscheid des CSA vom 1. Juli 2010)

http://www.csa.be/documents/show/1315

FR

Referenzen
Décision du CSA du 1er juillet 2010 FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12613
 
  Entscheidung des CSA vom 1. Juli 2010