OBS IRIS Merlin
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IRIS 2010-7:1/7

Belgien

Erneuter Verstoß des öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalters gegen neue Regelung für Produktplatzierung

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Hannes Cannie

Abteilung für Kommunikationswissenschaften/Zentrum für Publizistik, Universität Gent

Am 26. April 2010 befasste sich der Vlaamse Regulator voor de Media (Flämischer Medienregulierer - Überwachung und Durchsetzung von Medienvorschriften) erneut wegen eines Verstoßes gegen die Regelung für Produktplatzierung mit der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt VRT. Der Verstoß erfolgte wiederum in der Informationssendung am Sonntagmorgen „De Zevende Dag“ („Der siebte Tag“, siehe IRIS 2010-5:1/9).

Als Teil dieser Sendung wurde ein Bericht ausgestrahlt, der sich ausschließlich mit der Eröffnung des neuen Restaurants „Kwint“ in Brüssel befasste und ungefähr drei Minuten dauerte. Während des Berichts wurde die neue gewerbliche Einrichtung mehrfach erwähnt und beschrieben. Der Regulierer war der Ansicht, die Schilderung stelle das Lokal einseitig positiv dar. Die Bilder wurden während der Eröffnung aufgenommen und lenkten die Aufmerksamkeit auf die stilvolle und trendbewusste Inneneinrichtung. Darüber hinaus waren die Kommentare im Bericht wie auch die Äußerungen der interviewten Inhaber ausnahmslos voll des Lobes. Aus diesem Grund entschied der Regulierer, VRT habe die Grenzen hinnehmbarer Beachtung, die einem Produkt in einem audiovisuellen Mediendienst geschenkt werden kann, überschritten. Folglich habe das Produkt von der ungebührlichen Darstellung profitiert, was einen Verstoß gegen Art. 100 Abs. 1 Nr. 3 des Flämischen Medienerlasses darstelle. Eine solch reine Werbepräsentation des Restaurants ohne jeden kritischen Unterton stelle eine direkte Aufforderung zum Besuch der neuen Einrichtung dar, was gegen Art. 100 Abs. 1 Nr. 2 des Medienerlasses verstoße. Der Regulierer fügte hinzu, der Ort sei offensichtlich ausgewählt und der Rundfunkanstalt zur Verfügung gestellt worden, um einen günstigen und schmeichelhaften Bericht über dieses neue Restaurant zu erwirken. Daher gebe es keinen Zweifel, dass diese Zusammenarbeit eine Form von Produktionsbeihilfe (Art. 99 Nr. 2 des Medienerlasses) darstelle, eine Art von Produktplatzierung, die in gewissen Grenzen zulässig sei, die im vorliegenden Fall jedoch missachtet worden seien. Aufgrund der Schwere des Verstoßes und angesichts eines Marktanteils der Sendung von 52 Prozent verhängte der Regulierer eine Geldbuße in Höhe von EUR 5.000.

Referenzen
VRM v. NV VRT, 26.04.2010 (No 2010/026) NL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12503
 
  VRM gegen NV VRT, 26. April 2010 (Nr. 2010/026)