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IRIS 2010-7:1/5

Österreich

Neue Filmförderung nach dem Modell des DFFF

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Harald Karl

Pepelnik & Karl Rechtsanwälte, Wien

Anfang 2010 gab das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend bekannt, dass ein neues Modell zur Förderung der österreichischen Filmwirtschaft noch in diesem Jahr umgesetzt wird. Dieses Fördermodell folgt in den Grundzügen dem Modell des Deutschen Filmförderfonds (DFFF, siehe IRIS 2007-1:3/3).

Bislang liegt nur der Entwurf der Förderrichtlinien vor, deren Notifikation derzeit erfolgt. Gemäß dem Entwurf wird die Abwicklung über das Bundesministerium für Finanzen erfolgen, das sich hierzu der Austrian Business Agency GmbH (ABA) und der Austrian Wirtschaftsservice GmbH (AWS) bedient. In der zweiten Jahreshälfte sollen die ersten Förderungen vergeben werden. Budgetiert ist die Förderung mit einem Volumen von EUR 5 Mio. für 2010 und je EUR 7,5 Mio. für 2011 und 2012.

Gefördert werden österreichische Kinospiel- und -dokumentarfilme sowie österreichisch-ausländische Koproduktionen und -finanzierungen mit einem Mindestbudget von EUR 1 Mio. für Spielfilme oder EUR 200.000 für Dokumentarfilme und mit einer Mindestspiellänge von 79 Minuten (Kinderfilme 59 Minuten). Die Förderung wird nur gewährt, wenn 25 Prozent des Budgets des Filmes in Österreich anfallen. Bei Großproduktionen mit einem Budget von mehr als EUR 10 Mio. können es auch 20 Prozent sein. Bei Kofinanzierungen und in begründeten Einzelfällen kann hiervon abgegangen werden.

Bei den förderbaren Herstellungskosten sind grundsätzlich nur Kosten ansetzbar, die in Österreich wirksam werden. Als förderbare Herstellungskosten gelten etwa Vorkosten der Produktion, Nutzungsrechte, Gagen, Löhne, Honorare, Bild- und Tonaufnahmen, Schnitt, Synchronisation, Mischung, Bild, Ton, Bearbeitung, Reise-, Beförderungs- und Transportkosten. Die maximale Unterstützung für ein Einzelprojekt liegt bei 25 Prozent der förderbaren Herstellungskosten und ist in Höhe von maximal 80 Prozent der Herstellungskosten gedeckelt.

Die Gewährung der Förderung erfolgt nach dem „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“-Prinzip bis zur Ausschöpfung der Fördermittel, doch haben die Filme, ähnlich wie nach dem deutschen Vorbild, einen (relativ niedrigschwelligen) kulturellen Eigenschaftstest zu erfüllen. Eine inhaltliche Prüfung etwa durch eine Kommission erfolgt nicht.

Antragsberechtigt sind juristische Personen (Hersteller), welche ihren Sitz innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums haben und zumindest über eine Betriebsstätte oder eine Zweigniederlassung in Österreich und entsprechende Erfahrung verfügen. Der Antragsteller hat nachzuweisen, dass er in den letzten fünf Jahren Filme österreichischer Prägung hergestellt und ausgewertet hat. Des Weiteren hat er einen Referenzfilm nachzuweisen, der mit zumindest 15 Kopien ausgewertet wurde (bei Dokumentarfilmen drei Kopien, bei Erstlingsfilmen eines Regisseurs sieben Kopien). Auch bei Kofinanzierungen ist grundsätzlich danach weiterhin ein österreichischer Partner notwendig. Der Filmhersteller hat sich schließlich zu verpflichten, den Film mit mindestens 15 Kopien in Österreich auszuwerten, bei Erstlingsfilmen des Regisseurs mit mindestens sieben Kopien und bei Dokumentarfilmen mit mindestens drei Kopien.

Die Auszahlung der Förderung erfolgt in drei Tranchen (40 Prozent bei Drehbeginn, 40 Prozent bei Vorlage de Rohschnitts und 20 Prozent nach Vorlage des Schlusskostenstandes). Über Förderanträge soll nach dem Entwurf binnen einer Frist von sieben Wochen entschieden werden, der Filmhersteller hat binnen drei Monaten die Gesamtfinanzierung des Projekts nachzuweisen und binnen vier Monaten mit den Dreharbeiten zu beginnen. Vorerst ist das Förderprogramm bis 31. Dezember 2012 befristet.