OBS IRIS Merlin
english francais deutsch

IRIS 2010-7:Extra

Parlamentarische Versammlung

Empfehlung und Entschließung zur Bekämpfung sexistischer Klischees in den Medien

print add to caddie Word File PDF File

Emre Yildirim

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 25. Juni 2010 hat die parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) Entschließung 1751(2010) und Empfehlung 1931(2010) verabschiedet, die beide den Titel „Bekämpfung sexistischer Klischees in den Medien“ tragen.

Die Entschließung konstatiert und verurteilt, dass Frauen Opfer sexistischer Klischees in den Medien seien. Sie seien unterrepräsentiert und Gegenstand andauernder sexistischer Klischees in den Medien, die sich auf das traditionelle gesellschaftliche Rollenverständnis gründeten. Damit werde die Gleichberechtigung der Geschlechter verhindert. Die sexistischen Klischees werden in unterschiedlicher Form wie Humor und überkommenen Vorstellungen befördert und unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit bagatellisiert und toleriert. In der Folge haben diese Klischees einen eindeutigen Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung und können den Einsatz geschlechtsspezifischer Gewalt fördern oder legitimieren.

Entsprechend der Entschließung haben die Medien eine besondere Verantwortung, unter anderem die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Sexismus sollte in den Medien ebenso wenig Platz haben wie Rassismus oder andere Formen der Diskriminierung. Neben der positiven Rolle, die die Medien spielen können, stellt die Entschließung fest, dass Erziehung und Schulung absolut unabdingbar seien, um zu lernen, wie Klischees erkannt, verstanden und überwunden werden können.

Die Versammlung ruft die Mitgliedstaaten auf, Schulungs- und Erziehungsaktivitäten durch ein breites Spektrum an Maßnahmen zu stärken, zu denen unter anderem Aufklärung, Selbstkontrollmechanismen und Erziehung in Schulen gehören. Darüber hinaus fordert sie Maßnahmen, die Präsenz und Bedeutung von Frauen in den Medien zu fördern. Zudem ruft die Versammlung die nationalen Parlamente dazu auf, unter anderem rechtliche Maßnahmen zu verabschieden und angemessene Rechtsbehelfe in Fällen geschlechtsspezifischer Diskriminierung anzubieten. Schließlich ruft die Versammlung die Medien auf, das Bewusstsein von Journalisten für die Gleichstellung der Geschlechter in ihrer Arbeit zu stärken, die Gleichstellung der Geschlechter in Regulierungs- und Selbstregulierungsbehörden zu fördern und für eine klischeefreie Darstellung von Frauen und Männern einzutreten.

In einer nachfolgenden Empfehlung zu diesem Thema unterstreicht die Versammlung erneut, dass die Erziehung und die Medien eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung sexistischer Klischees spielen. Die Aufrechterhaltung des Nichtdiskriminierungsgrundsatzes ist nach Ansicht der Versammlung nicht ausreichend; positive Verpflichtungen für Staaten sind wichtig, das Recht auf Gleichstellung der Geschlechter zu garantieren. Daher fordert die Versammlung das Ministerkomitee auf, unter anderem einen europäischen Kodex guter Praxis und ein Handbuch zur Bekämpfung sexistischer Klischees für die Medien zu erarbeiten.

Referenzen
Entschließung 1751(2010) der Parlamentarischen Versammlung zur Bekämpfung sexistischer Klischees in den Medien, verabschiedet am 25. Juni 2010
Empfehlung 1931(2010) der Parlamentarischen Versammlung zur Bekämpfung sexistischer Klischees in den Medien, verabschiedet am 25. Juni 2010