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IRIS 2010-6:1/3

Europäische Kommission

Konsultation über die Zukunft der Kultur- und Kreativindustrien

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Stefan Kulk

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 27. April 2010 hat die Europäische Kommission über das Internet eine öffentliche Konsultation gestartet, mit der das volle Potenzial der Kultur- und Kreativindustrien Europas erschlossen werden soll. Zu diesem Zweck wurde ein Grünbuch veröffentlicht, in dem das Potenzial der Kultur- und Kreativindustrien für die Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen dargelegt wird.

„Kulturindustrie“ wird in dem Grünbuch definiert als jene Branchen, „die Produkte herstellen und vertreiben oder Dienstleistungen erbringen, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ein bestimmtes Merkmal aufweisen, für eine bestimmte Verwendung oder einen bestimmten Zweck gedacht und dadurch Ausdruck oder Verkörperung von Kultur sind, ungeachtet ihres potenziellen Werts.“ Neben den traditionellen Kunstbereichen (darstellende Kunst, bildende Kunst, Kulturerbe) zählen auch die Bereiche Film, DVD und Video, Fernsehen und Radio, Videospiele, neue Medien, Musik, Bücher und Presse dazu. Als „Kreativindustrie“ werden Branchen „mit einer kulturellen Dimension“ bezeichnet, „die Kultur als Input verwenden, obwohl ihr Output überwiegend funktional ist.“ Dazu zählen Architektur und Design, Grafikdesign, Modedesign oder Werbung. Insgesamt bieten die Kultur- und die Kreativindustrien rund fünf Millionen Menschen in der gesamten Europäischen Union einen hochwertigen Arbeitsplatz. Sie sind höchst innovative Unternehmen mit großem Wirtschaftspotenzial.

Die öffentliche Konsultation konzentriert sich auf drei Themenbereiche: Zunächst werden die Stakeholder und andere gefragt, wie dem Experimentieren, der Innovation und dem Unternehmergeist in den Kultur- und Kreativindustrien mehr Raum gegeben werden kann. Als nächstes befasst sich die Konsultation mit der Frage, was man tun kann, damit die europäische Kultur- und Kreativindustrie weltweit Beachtung findet. Schließlich befasst sich die Konsultation mit dem Einfluss der Kultur- und Kreativindustrien auf andere Wirtschaftsbereiche und auf die Gesellschaft.

Hinsichtlich der Informations- und Kommunikationstechnologien stellt die Kommission fest, dass die Kultur- und Kreativindustrien konfrontiert sind mit sich rasant ändernden sowie sich rasch weiterentwickelnden Rahmenbedingungen. Die Kommission erwähnt besonders die Inhalteindustrie, die stark unter Produktpiraterie und Verkaufsverlusten leidet. Diese Veränderungen wirken sich auf die traditionellen Produktions-Konsum-Modelle aus und stellen das System infrage, mit dessen Hilfe bisher aus Inhalt Wert geschöpft wurde. Es müssen daher neue und innovative Geschäftsmodelle entwickelt werden. Die Herausforderung besteht jedoch darin, die Geschäfte am Laufen zu halten und gleichzeitig neue innovative Geschäftsmodelle auszuprobieren.

Die öffentliche Konsultation wird bis zum 30. Juli 2010 laufen. Die Ergebnisse dieser Konsultation werden analysiert und in einem Bericht zusammengefasst, der voraussichtlich im September 2010 auf der Internetseite der Kommission veröffentlicht wird.

Referenzen
„Kommission startet öffentliche Konsultation zur Zukunft der Kultur- und Kreativindustrien“, Brüssel, 26. April 2010, IP/10/466 DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12480
 
„Grünbuch - Erschließung des Potenzials der Kultur- und Kreativindustrien“ DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12481