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IRIS 2010-5:1/40

Slowakei

Konzept zur Medienpädagogik

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Jana Markechova

Anwaltskanzlei Markechova

Am 16. Dezember 2009 verabschiedete die Regierung das „Konzept zur Medienpädagogik in der slowakischen Republik im Kontext des lebenslangen Lernens“ (im Folgenden „Konzept“). Dieses Konzept wurde in Übereinstimmung mit dem Regierungsprogramm erarbeitet.

Die Notwendigkeit, Bedingungen für die Verwirklichung von Medienpädagogik zu schaffen, erwächst aus verschiedenen EU-Dokumenten, die die Bedeutung von Informationstechnologie unterstreichen. Gemäß der Richtlinie des Rats 89/552/EWG (in slowakisches Recht umgesetzt durch Gesetz Nr. 498/2009 Coll., siehe IRIS 2009-9:18) sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, der Europäischen Kommission alle drei Jahre einen Bericht zum Stand der Medienkompetenz vorzulegen.

Um das Konzept näher auszuführen, setzte das Kulturministerium im Februar 2009 eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Schulen, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und sonstigen Fachleute ein. Das Konzept untersucht den gegenwärtigen Erziehungsstand in diesem Bereich und definiert die Ziele, Strategien und Bedingungen für ein effizientes System der Medienpädagogik im Kontext lebenslangen Lernens. Eines der Hauptziele von Medienpädagogik besteht darin, jede Altersgruppe eine verantwortungsvolle Haltung zu Medieninhalten zu lehren, die Öffentlichkeit im Umgang mit neuen Kommunikationstechnologien zu unterweisen und Minderjährige vor rechtswidrigen und unangemessenen Inhalten zu schützen.

Gegenwärtig fehlt jegliche Verbindung zwischen den Aktivitäten im Bereich Medienkompetenz und der formalen und informellen Erziehung. Das Konzept schlägt daher vor, zum 1. Januar 2011 ein Zentrum für Medienpädagogik einzurichten, das in die Strukturen des Kulturministeriums eingegliedert wird. Das Zentrum wird die Aktivitäten im Bereich Medienpädagogik koordinieren, Forschung betreiben, Vorschläge zu verschiedenen Projekten im System unterbreiten und mit anderen relevanten Einrichtungen zusammenarbeiten.

Das Konzept weist in Übereinstimmung mit der Entschließung des Europäischen Parlaments 2008/2129(INI) darauf hin, dass Medienkompetenz Informationen über Urheberrechtsfragen und zur Achtung geistigen Eigentums bereitstellen und Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre gewährleisten sollte. Ein kompetenter Mediennutzer muss Informationen über die Risiken hinsichtlich des Schutzes persönlicher Daten und der Gefahr der Verbreitung von Gewalt über das Internet erhalten.

Das System der Medienpädagogik sollte in vier Grundstufen entsprechend den Altersgruppen gegliedert werden: Medienpädagogik für Kinder im Vorschulalter, für Grundschulkinder, für Kinder auf weiterführenden Schulen und für Erwachsene. Die ersten drei Stufen sollten darauf gerichtet sein, einen kritischen und selektiven Ansatz bei Medieninhalten herauszubilden und das Grundwissen im Bereich Medien- und Kommunikationstechnologien zu vermitteln. Medienpädagogik für Erwachsene sollte versuchen, das erworbene Wissen zu aktualisieren. Lebenslanges Lernen kann dem Einzelnen die notwendige Kompetenz vermitteln, wieder in Berufsbereiche einzusteigen.

Entsprechend dem Konzept ist die Vorbedingung für ein Erreichen der medienpädagogischen Ziele die Schaffung eines Systems mit ausreichend Personal, Material und technischen Ressourcen. Ausgehend von den Erfahrungen anderer europäischer Länder, in denen Medienkompetenz traditionell etabliert ist, stützt sich das System der Medienpädagogik auf mehrere Säulen. Dazu gehören insbesondere:

- die Einbindung von Medienpädagogik in den Schullehrplan,

- ein System zur Bewertung von Medienkompetenz,

- eine stabile öffentliche Institution, die diese Themen koordiniert,

- die Beteiligung der Medien an diesen Aktivitäten und Programmen,

- Motivations- und Unterstützungsprogramme, die sich auf Medien konzentrieren, die von Einzelpersonen gemacht wurden,

- Forschung.

Eine grundlegende Vorbedingung für das Funktionieren des medienpädagogischen Systems ist die Benennung einer Koordinierungsstelle und die Aufteilung von Kompetenzen unter den einzelnen beteiligten Strukturen. Eine starke Position sollten die nicht staatlichen Einrichtungen einnehmen.

Im Bereich des öffentlichen Dienstes werden die Kompetenzen zwischen dem Bildungsministerium und dem Kulturministerium aufgeteilt. Das Bildungsministerium sollte die formale Erziehung, die Genehmigung von Universitätsprogrammen und die Vorbereitung von Lehrern regeln und verantworten. Das Kulturministerium richtet ein Zentrum ein, das alle drei Jahre Berichte über den Stand der Medienpädagogik vorlegt.

Andere Strukturen mit Verantwortung in diesem Bereich sind unter anderem Universitäten (Forschung), Regulierungsbehörden (mit dem Schwerpunkt des Schutzes Minderjähriger), die audiovisuelle Stiftung (finanzielle Unterstützung), öffentlich-rechtliche Medien (Unterstützung, Förderung) sowie Nichtregierungsorganisationen.

Das Konzept besagt, dass die Voraussetzungen zur Erreichung der oben genannten Ziele in der slowakischen Republik bereits vorliegen.

Referenzen
Koncepcia mediálnej výchovy v Slovenskej republike v kontexte celoživotného vzdelávania SK
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12371
 
  Konzept zur Medienpädagogik in der slowakischen Republik im Kontext des lebenslangen Lernens, Dezember 2009