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IRIS 2010-4:1/41

Vereinigte Staten

US-Breitbandinitiative

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Jonathan Adler

Media Center, New York Law School

Die Vereinigten Staaten haben sich die Verbesserung der Breitbandversorgung zum Ziel gesetzt. Der Kongress hat die Federal Communications Commission (US-Bundesbehörde für Kommunikation - FCC) angewiesen, bis zum 17. März 2010 einen nationalen Breitbandplan zu erstellen, „der sicherstellt, dass alle Menschen in den Vereinigten Staaten Zugang zu Breitbandkapazität haben, und Richtwerte zur Erreichung dieses Ziels festlegt“. Die FCC hat immer wieder Teile dieses Plans veröffentlicht. Am 16. Februar 2010 hat der FCC-Vorsitzende Julius Genachowski in seiner Rede bei der Konferenz der National Association of Regulatory Utility Commissioners (Nationale Vereinigung der Versorgungsregulierer - NARUC) eine neue Breitbandinitiative angekündigt, die sogenannte „100 Squared Initiative“. Ziel dieses Vorschlags ist, 100 Millionen US-Haushalte bis 2020 mit einem Breitbandzugang von 100 Mbit/s zu versorgen. Zurzeit bieten die bestehenden Breitbandnetze Geschwindigkeiten von 3-10 Mbit/s an. Dieser Ausbau der Netze soll die Vereinigten Staaten zum „größten Markt von Nutzern mit sehr schnellem Breitbandzugang“ machen. Dies wiederum soll Arbeitsplätze schaffen und zu einer deutlichen Verbesserung im Gesundheits- und Bildungswesen beitragen.

Die Reaktionen auf die „100 Squared Initiative“ waren geteilt. Einige halten den Plan für falsch. Warum wird das Ziel mit 100 Mio. Haushalten angegeben, wo doch die Prognosen von ca. 130 Mio. amerikanischen Haushalten bis 2020 ausgehen? Andere forderten, dass der nationale Breitbandplan des FCC für die Breitbanddurchdringung dasselbe Ziel festlegen müsse wie für die Telefonie - und das liegt bei mehr als 95 Prozent. Andere waren einfach nur verwirrt: Was soll denn „100 Squared“ überhaupt heißen? Sind die 100 Mbit/s symmetrisch gemeint? Müssen die angepriesenen 100 Mbit/s tatsächlich erreicht werden? Handelt es sich bei den 100 Mbit/s um ein Monopol oder gibt es einen Wettbewerb um die Verbraucher? Wie passt hier das „squared“ („im Quadrat“)? Auch öffentliche Interessengruppen haben dazu aufgerufen, den Verbraucherschutz in den Plan zu integrieren.

US-Telekommunikationsbetreiber haben sich zur Machbarkeit des Plans unterschiedlich geäußert. Qwest Communications nannte den FCC-Vorschlag unrealistisch, während Verizon den Plan für machbar hält und die 100 Mbit/s bereits erfolgreich auf seinem leitungsvermittelten Glasfasersystem FiOS getestet hat. Neben den Telekommunikationsbetreibern bieten einige US-Kabelbetreiber - darunter Comcast, Time Warner Cable und Charter Communications - bereits Breitbanddienste an, die mit der Plattform DOCSIS 3.0 theoretische Geschwindigkeiten von über 100 Mbit/s erreichen können. DOCSIS-3.0-Dienste sind derzeit für mehr als 50 Mio. Kabelkunden erhältlich und sollen in den nächsten Jahren mehr als 100 Mio. Nutzer erreichen. Bisher bieten die DOCSIS-3.0-Dienste lediglich Geschwindigkeiten bis 50 Mbit/s.

Die Antwort aller interessierten Parteien lautet in der Regel, dass sie die Breitbandreichweite für äußerst wichtig halten und die FCC dafür loben, Herz und Verstand am rechten Fleck zu haben. Der offizielle Plan wird dem Kongress voraussichtlich am 17. März 2010 vorgelegt.