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IRIS 2010-4:1/25

Frankreich

Finanzierung der Digitalisierung der Kinosäle - neue Vorschläge des CNC

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Amélie Blocman

Légipresse

Die Reaktion des Centre national de la cinématographie (französisches Filminstitut - CNC) hat nicht lange auf sich warten lassen. Am 1. Februar 2010 hatte die Autorité de laconcurrence (Wettbewerbsbehörde) dazu eingeladen, Alternativlösungen zum Digitalisierungsfonds einzubringen, mit denen das Ziel der Finanzierung der Digitalisierung der Kinosäle auf wirtschaftlichere und weniger wettbewerbsschädigende Weise erreicht werden könne (siehe IRIS 2010-3:1/23). Am 17. Februar 2010 hat der CNC nach Kenntnisnahme dieser Vorschriften die großen Leitlinien eines neuen Maßnahmenpakets dargelegt, mit dem die rasche Digitalisierung aller Kinosäle (erst 900 von 5.400 Kinosälen wurden bislang digitalisiert) unter Achtung der Vielfalt gewährleistet werden sollen.

Um diese beiden vorrangigen Ziele zu erreichen, muss der CNC besondere Maßnahmen ergreifen. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung aller Kinosäle unterscheidet der CNC zwei Kinokategorien: einerseits die Kinoketten und -gruppen mit mehr als 50 Kinosälen, für die die Finanzierung durch die Verleiher und Drittinvestoren bereits läuft und bei denen die bestehenden Lösungen den Erwartungen der betroffenen Akteure gerecht zu werden scheinen. Bei den anderen Kinosälen scheint in Ergänzung zu den eigenen Beiträgen der Kinosäle und zur Finanzierung durch die Verleiher eine gemischte öffentliche Finanzierung (Staat/Gebietskörperschaften) notwendig. Diese Finanzierung könnte entweder über Direktmittel für die Kinobetreiber auf der Grundlage eines entsprechend ausgestatteten Förderfonds ähnlich der bestehenden Unterstützung zur Modernisierung der Kinosäle über eine staatliche Anleihe oder aber über eine mögliche, von der Wettbewerbsbehörde in ihrer Stellungnahme befürwortete Gebühr erfolgen.

Das zweite vorrangige Ziel des CNC besteht darin, die Programmfreiheit der Kinosäle zu gewährleisten, die vom Modell zur Finanzierung der Digitalisierung abgekoppelt sein muss. So vertritt der CNC die Auffassung, dass der Beitrag der Verleiher die vorrangige Quelle sowie die Grundlage für die Finanzierung der Digitalisierung der Kinosäle bleiben sollte. Ferner sei die Programmfreiheit der Betreiber zu gewährleisten ebenso wie die Bedingungen zur Programmgestaltung. Auch die Freiheit der Verleiher (Zugangsbedingungen zum Kinosaal und Verbreitung ihrer Filme) müsse gewahrt sein. Da alle diese Ziele als dem Gemeinwohl dienende Anliegen gesehen werden, wendet sich der CNC an den Gesetzgeber und kündigt einen Textentwurf an, der demnächst zur Diskussion vorgelegt werden soll. Der CNC geht davon aus, dass die von ihm genannte Lösung schneller greifen wird als der ursprünglich geplante Digitalisierungsfonds und somit trotz der für die öffentliche Hand höheren Kosten letztendlich effizienter sein dürfte.

Referenzen
Le CNC annonce un dispositif garantissant la numérisation rapide de toutes les salles et le respect de la diversité FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12316
 
  Der CNC kündigt Maßnahmen zur Gewährleistung einer raschen Digitalisierung sämtlicher Kinosäle sowie der Vielfalt an