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IRIS 2010-3:1/28

Vereinigtes Königreich

Produktplatzierung mit Einschränkungen statthaft

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Tony Prosser

School of Law, University of Bristol

Die Konsultation des britischen Ministeriums für Kultur, Medien und Sport zu Produktplatzierung (siehe IRIS 2010-1:1/25) ist abgeschlossen und die Regierung hat beschlossen, Produktplatzierung mit Einschränkungen zuzulassen.

Nach Angaben des Ministers ermöglicht eine derartige bedingte Erlaubnis kommerziellen Fernsehgesellschaften und Programmmachern Einnahmen durch Extra-Finanzquellen, während gleichzeitig legitimen Bedenken Rechnung getragen wird. Produktplatzierung wird in den vier in der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste festgelegten Programmkategorien erlaubt: filmische Werke, Filme und Serien für Fernsehen oder Abrufdienste, Sportprogramme und leichte Unterhaltungsprogramme. Im Lichte der Konsultationsergebnisse wird Produktplatzierung in aktuellen Reportagen, Verbraucher- und religiösen Programmen nicht erlaubt, selbst wenn sie in die Kategorie „Serie“ fallen. In gebührenfinanzierten BBC-Diensten ist keinerlei Produktplatzierung zulässig.

Die Gesetzgebung verhindert darüber hinaus die Platzierung von Produkten folgender Kategorien: alkoholische Getränke, Speisen und Getränke mit hohem Fett-, Salz- oder Zuckergehalt, Glücksspiel, Raucherzubehör, frei verkäufliche Arzneimittel sowie Muttermilchersatz. Damit wird das in der Richtlinie vorgesehene vollständige Verbot von Produktplatzierung in Kinderprogrammen ergänzt.

Die neue Gesetzgebung wird festlegen, dass Produktplatzierung die redaktionelle Unabhängigkeit nicht beeinträchtigen, keinen übermäßig prominenten Platz einnehmen oder direkt zum Kauf anregen darf. Auch muss das Publikum durch Kennzeichnung am Anfang und Ende der Sendung und nach Werbepausen auf das Vorhandensein von Produktplatzierung aufmerksam gemacht werden.

Diese Grundsatzänderung wird durch Regelungen nach dem Gesetz über die Europäischen Gemeinschaften von 1972 umgesetzt. Allerdings wird Produktplatzierung nicht gestattet, solange das Office of Communications (britische Regulierungsbehörde für das Kommunikationswesen - Ofcom) nach weiteren Konsultationen ihren Kodex nicht geändert hat. Dies sollte im Spätjahr 2010 erreicht sein. Das Ofcom wird auch die Verantwortung für die Überwachung der Bestimmungen tragen, zum Beispiel sicherzustellen, dass Produktplatzierung nicht in Programme eingebunden wird, die nicht eindeutig in die Kategorien fallen, in denen sie erlaubt ist. Das Ofcom wird darüber hinaus befugt sein, in seinem Kodex weitere Bedingungen aufzustellen, um die redaktionelle Integrität zu gewährleisten.

Referenzen
Department for Culture, Media and Sport, ‘Written Ministerial Statement on Television Product Placement’, 9 February 2010 EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12249
 
  Ministerium für Kultur, Medien und Sport, „Schriftliche ministerielle Erklärung zu Produktplatzierung im Fernsehen“, 9. Februar 2010