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IRIS 2010-2:1/27

Lettland

Start des digitalen terrestrischen Fernsehens

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Ieva Bērziņa-Andersone

Sorainen, Riga

Das digitale terrestrische Fernsehen soll im Jahr 2010 endlich starten, aber bisher sind noch nicht alle Probleme bei der Umsetzung gelöst.

Ende 2008 hatte das Verkehrsministerium eine Ausschreibung organisiert, in deren Verlauf ein Anbieter für den digitalen Rundfunk nach den Regeln des Kabinetts ausgewählt werden sollte (siehe IRIS 2008-10:15).

Die Regeln für die Ausschreibung sahen vor, dass der Gewinner bis zum 1. Dezember 2011 eine vollständige Umstellung auf den digitalen terrestrischen Rundfunk durchführen muss. Der Anbieter muss sicherstellen, dass öffentlich-rechtliche und kommerzielle Fernsehveranstalter die Möglichkeit haben ihre Sendungen auszustrahlen und dass bestimmte, vom Nacionãlã radio un televĩzijas padome (Nationaler Rundfunkrat - NRTP) benannte Sender für die Zuschauer frei empfangbar sind.

Als Ergebnis dieser Ausschreibung wählte das Verkehrsministerium den etablierten lettischen Festnetztelefonbetreiber SIA Lattelecom für die Umstellung auf digitalen Rundfunk aus. Das Kabinett bestätigte die Rolle von Lattelecom bei der Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens am 27. Januar 2009. Lattelecom hat nun die Umstellung auf technischer Ebene ermöglicht und verhandelt mit den Fernsehveranstaltern über die Aufnahme von Kanälen in die angebotenen digitalen Pakete.

In Bezug auf die Aufnahme von Kanälen entschied der NRTP entsprechend den Kabinettsregeln, dass die Kanäle öffentlich-rechtlicher Fernsehveranstalter (LTV1, LTV2) in dem frei empfangbaren Paket enthalten sein müssen. Der kommerzielle Fernsehveranstalter LNT hat mit Lattelecom ebenfalls die Aufnahme seines Kanals in das frei empfangbare Paket vereinbart. Diese Programme sollten ab 1. April 2010 im Großraum Riga und ab 1. Juni 2010 in anderen Teilen Lettlands nur noch digital verfügbar sein. Die analoge Übertragung dieser Kanäle wird dann abgeschaltet.

Eine Vereinbarung mit dem größten kommerziellen Fernsehveranstalter TV3 (MTG-Gruppe) über die Aufnahme seines Kanals in das Paket kam nicht zustande, weil man sich nicht über den Preis einigen konnte. TV3 kündigte daher an, dass man mithilfe der Dienste des staatseigenen Lettischen Radio- und Fernsehzentrums zumindest 2010 weiterhin analog senden werde. Das Zentrum erklärte jedoch, dass es nicht profitabel sei, lediglich einen Kanal analog auszustrahlen. Die Unternehmen könnten daher doch noch zu einer Einigung kommen, zumal TV3 und Lattelecom Anfang Januar 2010 eine Vereinbarung über die Weiterverbreitung von TV3 im Rahmen des IPTV-Angebots von Lattelecom getroffen haben.

Ein weiteres Problem ist, dass die Kabinettsregeln keine Entschädigung für Haushalte vorsehen, die aufgrund der Abschaltung der analogen Weiterverbreitung neue technische Geräte anschaffen müssen. In Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage Lettlands können die Gerätekosten für viele Haushalte eine hohe Belastung darstellen. Nach einer neuen Untersuchung wird das terrestrische Fernsehen zudem lediglich von 27 Prozent der Haushalte als einzige Übertragungsform genutzt, vor allem von Senioren, Landbewohnern und einkommensschwachen Menschen. Wirtschaftlich stärkere Haushalte haben bereits auf andere Empfangsarten umgestellt wie etwa Kabel, Satellit oder IPTV. Für diese ist die Umstellung auf digitales terrestrisches Fernsehen relativ unbedeutend.