OBS IRIS Merlin
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IRIS 2010-10:1/33

Vereinigtes Königreich

ATVOD nimmt ihre Arbeit auf

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David Goldberg

deeJgee Research/Consultancy

Wie bereits in der Ausgabe IRIS 2010-5:1/27 berichtet, wurde die Association for Television On-Demand (Vereinigung für Abruf-Fernsehen - ATVOD) formal als Koregulierer für britische Video-on-Demand-Dienste (VoD-Dienste) eingesetzt. Offizieller Beginn dieser Tätigkeit war am 20. September 2010. Die ATVOD war bis dato ein reiner Branchenverband.

Die ATVOD hat inzwischen ihre Regelungen zum Beschwerdeverfahren über redaktionelle Inhalte von VoD-Diensten veröffentlicht. In diesem Dokument wird die normale Verfahrensweise der ATVOD zur Behandlung von Beschwerden über redaktionelle Inhalte von VoD-Diensten beschrieben. Die Vorschriften sind ebenfalls am 20. September 2010 in Kraft getreten. Sie decken nicht alle VoD-Dienste ab. Laut diesem Dokument werden folgende Kriterien herangezogen:

- Hauptzweck des VoD-Dienstes ist die Bereitstellung von Sendungen, die in Form und Inhalt mit Sendungen vergleichbar sind, die üblicherweise vom Fernsehen angeboten werden;

- der Zugang zum VoD-Dienst erfolgt auf Abruf;

- es gibt eine Person, die die redaktionelle Verantwortung für den VoD-Dienst hat;

- der VoD-Dienst wird der Öffentlichkeit zur Nutzung angeboten;

- der Dienstbetreiber hat seinen Sitz im Vereinigten Königreich.

Zu den redaktionellen Angelegenheiten, über die eine Beschwerde eingereicht werden kann, gehören: schädliches Material, das voraussichtlich zu Hass aufstachelt; Schutz von Minderjährigen vor Inhalten, die eine ernsthafte Bedrohung ihrer physischen, geistigen oder moralischen Entwicklung darstellen; Sponsoring; Produktplatzierung; Informationen, die den Nutzern von VoD-Diensten mitgeteilt werden müssen.

Beschwerden über Folgendes werden von der ATVOD nicht angenommen: VoD-Dienste, die nicht der britischen Rechtshoheit unterliegen; Angelegenheiten, die bereits vor Gericht verhandelt werden; Internetzugangs-, Telefon- oder Fernsehdienste, die nicht auf Abruf bereitgestellt werden oder anderweitig nicht in den Zuständigkeitsbereich der ATVOD fallen; Entscheidungen eines Dienstanbieters, ein Produkt oder eine Dienstleistung bereitzustellen oder nicht sowie die Geschäftsbedingungen, unter denen Produkte oder Dienstleistungen bereitgestellt werden; von einem Dienstanbieter bereitgestellte Hardware (etwa eine Set-Top-Box) oder Software zur Nutzung eines VoD-Dienstes.

Darüber hinaus darf die ATVOD Beschwerden abweisen, die nach ihrer Auffassung frivol oder schikanös sind; die bereits in der Vergangenheit wiederholt ohne Aussicht auf Erfolg eingereicht wurden oder unnötig beleidigende, obszöne oder unanständige Formulierungen enthalten; für die nicht genügend Informationen über den Hintergrund der Beschwerde geliefert wurden; die nicht innerhalb der im Beschwerdeverfahren vorgesehen Frist eingereicht wurden; die Angelegenheiten betreffen, die nach Auffassung der ATVOD von einem Gericht oder einer anderen Beschwerdestelle verhandelt werden sollten.

Referenzen
ATVOD, Procedure for Complaints about Editorial Content on VOD Services EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12729
 
  Beschwerdeverfahren für redaktionelle Inhalte von VoD-Diensten