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IRIS 2010-1:1/39

Slowenien

Maßnahme gegen eine Realityshow

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Renata Šribar

Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Ljubljana und Zentrum für Medienpolitik des Friedensinstituts Ljubljana

Das internationale Fernsehunternehmen Pro Plus hat eine slowenische Realityshow produziert, in der einige Personen des öffentlichen Lebens vorkommen. Die „Celebrity Farm“ (Kmetija slavnih) begann ihre Sendungen, die täglich außer sonntags im frühen Abendprogramm ausgestrahlt wurden, am 28. September 2009 auf dem kommerziellen Sender POP TV. Da sie eindeutige Sexszenen, Gewaltszenen, vulgäre Ausdrücke, pornografisches Material, unnötige Gewalt gegen Tiere, grobe hierarchische Verhältnisse unter den Teilnehmern, Werbung für Alkohol und Tabakkonsum enthält, gab es viele Beschwerden gegen die Sendung. Am 16. November 2009 hat die Agencija za pošto in elektronske komunikacije Republike Slovenije (Agentur für Post und elektronische Kommunikation - APEK) eine Maßnahme gegen POP TV wegen Verletzung des Mediengesetzes (Zakon o medijih, ZMed-1) ergriffen.

Aufgrund der Sendezeit - an fünf Tagen in der Woche nach den Hauptnachrichten um 20.00 Uhr und einmal pro Woche um 20.55 Uhr - hatten sich viele Eltern und andere Zuschauer über den möglicherweise schädlichen Inhalt der Sendung aus Sicht des Jugendschutzes beklagt. Außerdem rief die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RTV Slovenija das (mit dem Kultur- und Medieninspektorat verbundene) Ministrstvo za kulturo (Kulturministerium) und die APEK auf, wegen der Sendezeit der Realityshow Maßnahmen gegen POP TV zu ergreifen. Der Kultur- und Medieninspektor stimmte jedoch nicht zu, da die Begutachtung des Sendungsinhalts Sache der APEK sei. Die ethischen Richtlinien (Kodizes) für Fernsehveranstalter, die von der APEK festgelegt wurden, sind keine verpflichtenden Normen, und der Kodex von POP TV hat ausschließlich Selbstregulierungscharakter. Das ZMed-1 ist das einzige referenzielle und rechtlich einschlägige Dokument für die Begutachtung und die Ergreifung von Maßnahmen gegen „Celebrity Farm“.

Die APEK-Experten haben einige Folgen der Sendung zwischen dem 28. September und dem 6. November 2009 analysiert und festgestellt, dass es viele Szenen gegeben habe, die das Verständnis von Kindern für kulturelle Normen beeinflussen und ihnen eine irreführende Vorstellung bestimmter menschlicher Verhaltensweisen (unter anderem über Sexualität und Gewalt) vermitteln könnten, da „berühmte“ Figuren beteiligt seien, deren Sozialverhalten „vorbildlich“ sein solle. Nach den Daten, die aus dem Text der Maßnahme hervorgehen, wurde die Sendung zwischen dem 29. September und dem 6. November 2009 von 14.158 Kindern im Alter von vier bis neun Jahren und von 16.150 Kindern im Alter von zehn bis vierzehn Jahren gesehen.

Die Maßnahme der Agentur sieht vor, dass der Fernsehveranstalter akustische und visuelle Warnungen gemäß Art. 84 Abs. 3 ZMed-1 zum Jugendschutz einsetzen muss. Hinsichtlich des Zeitraums für die Umsetzung der Maßnahme (Art. 109 Abs. 3 ZMed-1) hat sich die Agentur für die kürzeste Möglichkeit entschieden, also für einen Monat. Nach der Veröffentlichung des Gutachtens und der Veröffentlichung der Maßnahme durch die Agentur kündigte der Inspektor für Medien und Kultur an, dass POP TV dem Gesetz entsprechend bestraft werde. Der Strafrahmen liegt zwischen EUR 1.000 und 80.000.

Referenzen
Zakon o medijih, ZMed-1 SL
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12075
 
  Mediengesetz