OBS IRIS Merlin
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IRIS 2010-1:1/26

Vereinigtes Königreich

Fortführung einer veränderten Liste von frei zugänglichen Veranstaltungen empfohlen

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Tony Prosser

School of Law, University of Bristol

Im Vereinigten Königreich gibt es seit 1956 eine Liste, auf der die Ereignisse und Veranstaltungen aufgeführt sind, die von besonderer nationaler Bedeutung sind und die deshalb - soweit möglich - für eine Ausstrahlung im frei zugänglichen Fernsehen infrage kommen. Diese vom Ministerium erstellte Liste wurde seither regelmäßig angepasst und ist nun von einem unabhängigen Panel geprüft worden.

Nach Angaben des Panels glauben 82 Prozent der Befragten, dass sie ein Recht haben, bestimmte Veranstaltungen im gebührenfreien Fernsehen zu sehen, da sie ja bereits ihre BBC-Rundfunkgebühren bezahlt haben, und dass die Öffentlichkeit ganz offensichtlich erwartet, dass die BBC derartigen Ereignissen hohe Priorität einräumt. Davon ausgehend kam das Panel zum Ergebnis, dass es sich grundsätzlich dafür ausspricht, einige wichtige Sportereignisse für einen möglichst großen Kreis von Fernsehzuschauern zu reservieren, gegebenenfalls durch Aufnahme in eine Liste. Jedoch sollten nach Meinung des Panels die derzeitigen Kriterien dahingehend vereinfacht werden, dass es ein Ereignis von besonderem nationalen Interesse sein muss und keine Veranstaltung sein darf, die nur für Anhänger der betreffenden Sportart interessant ist; es muss sich um ein herausragendes nationales oder internationales Ereignis handeln, bei dem eine Nationalmannschaft teilnimmt und dessen Übertragung im Fernsehen wahrscheinlich große Reichweiten erzielen wird. Ferner sollte es eine einzige Liste von Liveveranstaltungen geben und nicht wie derzeit zwei Listen: eine für Veranstaltungen, die vollständig übertragen werden, und eine zweite für solche, von denen lediglich die Höhepunkte gezeigt werden.

Das Panel ist der Auffassung, dass die Führungsinstanzen der Sportverbände (die sich gegen eine Liste ausgesprochen hatten) am besten wissen müssen, was jetzt und in der Zukunft im Interesse ihrer Sportart ist. Doch das Panel hatte den Auftrag, über sportliche Einzelinteressen hinauszugehen und Ereignisse von „großer gesellschaftlicher Bedeutung“ zu bewerten. Diejenigen, die gegen Listen waren, mussten zugestehen, dass es dann zu Situationen kommen kann, in denen ein wesentlicher Teil der Bevölkerung - einschließlich der älteren Mitbürger, die keine Rundfunkgebühren bezahlen müssen, - nicht die Möglichkeit hat, wichtige nationale oder internationale Ereignisse am Bildschirm zu verfolgen. Trotz tiefgreifender Veränderungen der Medienlandschaft wird es in absehbarer Zeit so sein, dass es die meisten Menschen vorziehen werden, die wichtigsten Sportereignisse am Fernsehen zu verfolgen.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt das Panel die Olympischen Sommerspiele, die Endspiele der Fussballweltmeisterschaft und die Endspiele des UEFA-Pokals sowie eine Reihe von nationalen Sportveranstaltungen auf der Liste zu belassen. Ferner sollten sämtliche Spiele des Tennisturniers von Wimbledon auf der Liste stehen (und nicht nur wie derzeit die Endspiele), und hinzukommen sollten die Offenen Golfmeisterschaften, die Test-Kricket-Länderspiele zwischen England und Australien (die sog. „Ashes“ ) und sämtliche Spiele der Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Bestimmte Sportereignisse wie die Olympischen Winterspiele könnten von der Liste gestrichen werden.

Jetzt muss das Ministerium entscheiden, welche Empfehlungen berücksichtigt werden sollen.

Referenzen
Department for Culture, Media and Sport, ‘David Davies Publishes His Review of Free-to-air Listed Events’, 13 November 2009 EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12132
 
  Ministerium für Kultur, Medien und Sport, „David Davies Publishes His Review of Free-to-air Listed Events“ , 13. November 2009